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2002-07-17 00:00:00
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InterNutrition
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8021 Zürich

Biologische, konventionelle und gentechnische Anwendungen in der Landwirtschaft - gesundheitliche und ökologische Aspekte

Zusammenfassung der Studie

Herausgeber: InterNutrition - Schweizerischer Arbeitskreis für Forschung und Ernährung, Schweiz
Autor: Kurt Bodenmüller, Stiftung Gen Suisse, Schweiz

English version

InterNutrition, Zürich, September 2001


Inhaltsverzeichnis

1. Ergebnisse im Überblick
1.1. Ausgangslage und Ziel der Studie
1.2. Die wichtigsten Ergebnisse

2. Kennzahlen, Entwicklungen und Meinungsumfragen
2.1. Kennzahlen und Entwicklung von biologischer und gentechnischer Landwirtschaft
2.2. Umfragen und Meinungsforschung zu Bio- und GVO-Produkten

3. Gesundheitliche Aspekte der menschlichen und tierischen Ernährung
3.1. Vergleich ernährungsrelevanter Inhaltsstoffe und qualitativer Eigenschaften von Lebensmitteln
3.2. Vergleich von natürlichen und chemischen Pestiziden und ihre gesundheitliche Relevanz
3.3. Mykotoxine in biologischen, herkömmlichen und gentechnisch veränderten Produkten
3.4. Inhaltsstoffe und ernährungsphysiologische Qualität von konventionellen und GVO-Futtermitteln

4. Ökologische Aspekte verschiedener Landwirtschaftssysteme
4.1. Pollenflug und GentransferGenübertragung
a) Genübertragung von transgenen Pflanzen auf verwandte Wildarten
b) Genübertragung von transgenen Pflanzen auf herkömmliche Kulturpflanzen
4.2. Auswirkungen auf Nützlinge und andere Organismen im Feld
4.3. Vergleich verschiedener Bekämpfungsstrategien gegen Pilzkrankheiten
4.4. Ökologische Vorteile von biologischer Landwirtschaft und grüner Gentechnik
4.5. Landwirtschaftliche Erträge und Welternährung

5. Fazit

6. Literatur


1. Ergebnisse im Überblick

1.1. Ausgangslage und Ziel der Studie

  • Bio-Produkte geniessen bei vielen Konsumenten den Ruf gesünder, sicherer und geschmacklich besser zu sein als herkömmliche Lebensmittel, während gentechnisch veränderte Nahrungsmittel häufig als unnatürlich, gesundheitlich bedenklich oder potenzielles Risiko für die Umwelt betrachtet werden. Die für diese Studie zentrale Frage lautet, ob diese Wahrnehmungen mit den wissenschaftlichen Tatsachen übereinstimmen.
  • Eine fundierte Nutzen-Risiko-Abwägung und damit eine sachliche Diskussion im Agrar- und Lebensmittelbereich setzt voraus, dass die verschiedenen Produktionssysteme objektiv miteinander verglichen statt isoliert für sich allein beurteilt werden. Basierend auf der veröffentlichten wissenschaftlichen Literatur präsentiert InterNutrition eine Zusammenstellung von Fakten, die beim Vergleich von biologischen, konventionellen und gentechnischen Landwirtschaftsstrategien berücksichtigt werden müssen.

1.2. Die wichtigsten Ergebnisse

  • Biologische Lebensmittel sind aus wissenschaftlicher Sicht weder gesünder noch sicherer als herkömmliche oder gentechnisch veränderte Produkte. Einige Studie zeigen, dass Bio-Lebensmittel stärker mit Pilzgiften belastet sein können als Produkte der konventionellen Landwirtschaft. Transgene Bt-Maissorten wiederum weisen gegenüber herkömmlichen Sorten fallweise deutlich reduzierte Mengen an Mykotoxinen in den Maiskörnern auf.
  • Bezüglich Nährstoffzusammensetzung und den Auswirkungen auf die Tierernährung bestehen keine signifikanten Unterschiede zwischen konventionellen und gentechnisch veränderten Futtermitteln. Fleisch, Milch und Eier von Tieren, die mit GVO-Futter gefüttert wurden, sind ebenso unbedenklich für die menschliche Ernährung wie bei konventionellem Futter.
  • Die Problematik der Auskreuzung via Pollen (Genübertragung) zwischen gentechnisch veränderten Pflanzen und verwandten Wildarten wie auch zwischen transgenen Pflanzen und herkömmlichen Sorten betrifft nur einige wenige wichtige Kulturpflanzenarten. Abklärungen müssen von Fall zu Fall, Ort zu Ort, Pflanze zu Pflanze und Transgen zu Transgen vorgenommen werden. Ein Nebeneinander der verschiedenen landwirtschaftlichen Kulturen war bisher möglich und wird es auch in Zukunft sein.
  • Die bislang durchgeführten Feldstudien mit transgenen, schädlingsresistenten Pflanzen widerlegen die von Kritikern prognostizierten Umweltrisiken. So führen beispielsweise Bt-Maissorten zu keinen vorübergehenden Reduktionen von Nützlingen auf dem Acker, wie sie bei einigen synthetischen Pflanzenschutzmitteln beobachtet werden.
  • Transgene Pflanzen erweisen sich bereits kurz nach ihrer Einführung als valable Option auf dem Weg zu einer umwelt- und ressourcenschonenden Landwirtschaft. Die bisher erzielten Einsparungen an Spritzmitteln und die Verbesserungen von Bodenflora und -fauna lassen sich in die Bemühungen von integrierter Produktion und Bio-Landbau für eine nachhaltigere Landwirtschaft einreihen.

2. Kennzahlen, Entwicklungen und Meinungsumfragen

2.1. Kennzahlen und Entwicklung von biologischer und gentechnischer Landwirtschaft

  • Seinen Anfang nahm der Bio-Landbau in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der Begründung der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise 1924 und des biologisch-organischen Landbaus 1940. Im Jahre 2000 wurden weltweit rund 10.5 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche biologisch bewirtschaftet. Das globale Marktvolumen für Nahrungsmittel aus biologischer Produktion wird auf knapp 20 Milliarden US-Dollar geschätzt [1]. Zur Zeit ist der Anteil von Bio-Produkten am Gesamtmarkt in allen Ländern noch klein. Gemäss einer ITC-Studie wächst der Markt für Bio-Lebensmittel in den meisten Industrieländern rasch - insbesondere in Europa [2].
  • Der Beginn der grünen Gentechnik geht zurück auf das Jahr 1983 als es erstmals gelang, eine Pflanze gentechnisch zu verändern. Im Jahre 2000 betrug die weltweit mit transgenen Pflanzen angebaute Nutzfläche ca. 44.2 Millionen Hektar. Der Gesamtmarkt für gentechnisch veränderte Pflanzen wurde mit insgesamt 3 Milliarden US-Dollar beziffert. Seit ihrer kommerziellen Einführung in Jahre 1996 wurden kumulativ auf 125 Millionen Hektar transgene Pflanzen angebaut - vor allem in den USA, in Argentinien, Kanada und China. Zu den am häufigsten kultivierten GVO-Nutzpflanzen zählen Soja, Mais, Baumwolle, Raps und Kartoffeln [3].

Bio- und Gentech-Landwirtschaft im Vergleich

Kriterium BIO* GVO*
Beginn 2) 1983
Schweiz: gesamte Nutzfläche (2000) 85'000 ha -
Schweiz: Anteil an landwirtschaftlicher Nutzfläche (2000) 8.1% 0%
Europa: gesamte Nutzfläche (2000) 3.5 Mio. ha 20'000 ha
Europa: Anteil an landwirtschaftlicher Nutzfläche (2000) 1.9% 0.02%
USA: gesamte Nutzfläche (2000) 0.9 Mio. ha 30.3 Mio. ha
USA: Anteil an landwirtschaftlicher Nutzfläche (2000) 0.2% 7%
Weltweit: gesamte Nutzfläche (2000) 10.5 Mio. ha 44.2 Mio. ha
Weltweit: Tendenz gegenüber dem Vorjahr (1999) steigend steigend
Weltweit: Gesamtmarkt für transgene Pflanzen (2000) - 3 Mrd. USD
Weltweit: Gesamtmarkt für Bio-Lebensmittel (2000) 19.7 Mrd. USD -

(* teilweise aktualisierte Zahlen [1, 3, 4, 5]; 1) bio-dynamischer Landbau; 2) bio-organische Landwirtschaft)

2.2. Umfragen und Meinungsforschung zu Bio- und GVO-Produkten

  • Verschiedene Konsumentenumfragen aus der Schweiz, England und den USA (1999/2000) zeigen ein einheitliches Bild bezüglich den Gründen für den Kauf von biologischen Lebensmitteln. "Gesünder", "sicherer", "besser" und "umweltfreundlicher" als konventionelle Produkte lauten die genannten Argumente (in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit).
  • Gegenüber den US-Konsumenten stehen die Verbraucher in Europa GVO-Lebensmitteln eher skeptisch gegenüber. Gemäss Eurobarometer nehmen insgesamt 59% der Europäer GVO-Produkte als potenzielles Risiko wahr [6]. Demgegenüber glauben nur 2% der amerikanischen Konsumenten, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel eine besondere Bedrohung für die Gesundheit darstellen [7].
  • Die weit verbreitete Meinung, dass die Konsumenten in Europa keine GVO-Produkte wollen, kann nicht bestätigt werden. Untersuchungen zur Konsumbereitschaft ergaben, dass beispielsweise 21% der Schweizer [8] und 48% der Briten [9] gentechnisch veränderte Nahrungsmittel konsumieren wollen. Zudem würden 22% der befragten EU-Bürger GVO-Früchte kaufen, falls diese im Vergleich zu herkömmlichen Produkten besser schmecken [6].

3. Gesundheitliche Aspekte der menschlichen und tierischen Ernährung

3.1. Vergleich ernährungsrelevanter Inhaltsstoffe und qualitativer Eigenschaften von Lebensmitteln

  • Der Vergleich von biologisch und konventionell hergestellten Nahrungsmitteln in über 150 Studien ergab nur sehr geringe Unterschiede betreffend dem Gehalt an ernährungs- und gesundheitsrelevanten Inhaltsstoffen (Vitamin-, Spurenelement-, Mineralstoff-, Schwermetall-, Protein-, Stärke- und Zuckergehalt).
  • Aus der bisher veröffentlichten wissenschaftlichen Literatur geht hervor, dass Bio-Produkte weder gesünder noch sicherer sind als herkömmliche oder gentechnisch veränderte Lebensmittel.

3.2. Vergleich von natürlichen und chemischen Pestiziden und ihre gesundheitliche Relevanz

  • 99.9% der chemischen Stoffe, die vom Menschen eingenommen werden, sind natürlichen Ursprungs. Die Menge an synthetischen Pestizidrückständen, die ein Mensch pro Tag aufnimmt, ist rund 10'000 Mal kleiner als die tägliche Dosis an natürlichen pestiziden Wirkstoffen, die von den Pflanzen selber produziert werden. Und viele dieser natürlichen Pestizide sind hinsichtlich ihrer Giftigkeit und ihrenkrebsauslösenden Eigenschaften vergleichbar mit synthetischen Pflanzenschutzmitteln.
  • Verglichen mit mikrobiellen oder anderen, in den Pflanzen natürlicherweise vorhandenen Toxinen ist das Risiko von chemischen Pestizidrückständen für die menschliche Gesundheit sehr gering. Die Mengen der von der europäischen Bevölkerung aufgenommenen Pestizidrückstände sind sehr tief und betragen häufig weniger als 1% der akzeptablen täglichen Aufnahmemenge, welche gesundheitlich unproblematisch ist. Vor diesem Hintergrund sollte die gesundheitliche Relevanz von synthetischen Pestizidrückständen nicht überbewertet werden.

3.3. Mykotoxine in biologischen, herkömmlichen und gentechnisch veränderten Produkten

  • Mykotoxine sind giftige Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen. Sie können bei Menschen und landwirtschaftlichen Nutztieren zum Teil bereits in sehr geringen Konzentrationen Gesundheitsschädigungen hervorrufen.
  • Fallweise konnten bei verschiedenen Bio-Lebensmitteln (Apfelsaft, Roggen, Weizen) deutlich höhere Mykotoxin-Konzentrationen gemessen werden als in Produkten der konventionellen Landwirtschaft. Obwohl diese Einzelresultate nicht allgemein gültig sind, unterstützen sie die Forderung nach strengen Kontrollen und weiteren Untersuchungen.
  • Im Vergleich zu konventionellem Mais weisen die Körner von gentechnisch veränderten, schädlingsresistenten Maissorten bis zu 90% tiefere Fumonisin- und bis zu 75% tiefere Aflatoxin-Konzentrationen auf. Geringere Mengen an Pilzgiften bei Bt-Maissorten stellen einen belegbaren, gesundheitlichen Vorteil für die Nutztiere und die Verbraucher dar.

3.4. Inhaltsstoffe und ernährungsphysiologische Qualität von konventionellen und GVO-Futtermitteln

  • In zahlreichen Studien wurde bestätigt, dass gentechnisch veränderte Futtermittel bezüglich der Nährstoffzusammensetzung mit herkömmlichem Futter gleichwertig sind.
  • Gentechnisch veränderte und herkömmliche Futtermittel unterscheiden sich nicht hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Tierernährung.
  • Fleisch, Milch und Eier von Nutztieren, die mit GVO-Futter gefüttert wurden, sind ebenso sicher und unbedenklich für die menschliche Ernährung wie tierische Produkte aus der Fütterung mit traditionellen Futtermitteln.

4. Ökologische Aspekte verschiedener Landwirtschaftssysteme

4.1. Pollenflug und Genübertragung

  • a) Genübertragung von transgenen Pflanzen auf verwandte Wildarten
    • Die Genübertragung mit dem Pollen von Kulturpflanzen auf verwandte Wildarten ist ein natürlicher, ständig stattfindender Prozess und in der konventionellen Züchtung bestens bekannt. Entscheidend ist die Frage, ob Auskreuzungspartner lokal vorhanden sind, und ob eventuelle, vermehrungsfähige Nachkommen negative ökologische Effekte verursachen können.
    • Die Situation für die Kulturpflanzen und ihre wilden Verwandten in der Schweiz wurde 1996 von Ammann et al. umfassend beschrieben. Diverse für die Schweiz wichtige Kulturpflanzen besitzen keine verwandten Wildarten zur Auskreuzung (z.B. Mais, Kartoffel, Soja, Tomate, Zuckerrübe, Gerste, Rotklee) oder sind strenge Selbstbefruchter (Weizen, Reben). In diesen Fällen sowie bei vegetativer Vermehrung oder Sterilität der Pflanzen ist eine Auskreuzung durch Pollenflug unmöglich bzw. höchst unwahrscheinlich.
    • Die Befürchtung, durch gentechnisch veränderte, herbizidtolerante Pflanzen könnten neue, aggressive Unkräuter entstehen, wurde - wie verschiedene Feldstudien belegen - bisher nicht bestätigt. Ausserhalb des Ackers, wo keine Herbizide eingesetzt werden, verlieren Wildpflanzen eine allfällig erworbene Herbizidresistenz innerhalb weniger Folgegenerationen, ohne sich ausbreiten zu können.
    • Entscheidend ist, dass Abklärungen zur Auskreuzung von Fall zu Fall, von Ort zu Ort, von Pflanze zu Pflanze und von Transgen zu Transgen vorgenommen werden.

  • b) Genübertragung von transgenen Pflanzen auf herkömmliche Kulturpflanzen
    • Die Pollenübertragung von einem Feld mit gentechnisch veränderten Pflanzen auf einen benachbarten Acker mit biologischen oder konventionellen Sorten muss ebenfalls differenziert je nach Pflanzenart betrachtet werden. Dabei entspricht das Ausmass des Pollenfluges nicht dem Genfluss.
    • Bei Kulturen wie Kartoffeln, die vegetativ vermehrt werden, oder Zuckerrüben, die lange vor der Blüte geerntet werden, findet unter den schweizerischen Anbaubedingungen keine Genübertragung statt. Bei strengen Selbstbefruchtern wie Weizen oder Gerste genügen bereits wenige Meter Abstand zwischen den Feldern, um Auskreuzungen zu verhindern. Auch bei Mais wäre die Genübertragung bei einem Isolationsabstand von rund 100 Metern praktisch vernachlässigbar. Die Problematik der Genübertragung mit dem Pollen beschränkt sich auf wenige fremdbefruchtende Pflanzenarten wie Raps oder Roggen, deren Pollen langlebig sind.
    • Pollenflug und Genfluss findet auch zwischen konventionell und biologisch bearbeiteten Feldern statt. Trotzdem konnten sich in der schweizerischen Landwirtschaft verschiedene Produktionssysteme (konventionell, integriert, biologisch) nebeneinander etablieren.

4.2. Auswirkungen auf Nützlinge und andere Organismen im Feld

  • Eine im Mai 1999 publizierte Laborstudie ergab, dass Bt-Maispollen bei Zwangsverfütterung die Raupen des Monarch-Schmetterlings schädigen. Die Arbeit löste grosse Beunruhigung betreffend den ökologischen Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen aus und führte zu einem Zulassungsstop für transgene, insektenresistente Kulturpflanzen innerhalb der EU. Die in der Folge durchgeführten Feldstudien ergaben, dass Bt-Maissorten keine Bedrohung für die Monarch-Raupen darstellen, und dass ihre negativen Auswirkungen auf das Insekt - wenn überhaupt - äusserst gering sind. Das Beispiel illustriert die Notwendigkeit, dass unter künstlichen Bedingungen im Labor erzielte Resultate in Feldstudien überprüft werden müssen, um gesicherte Erkenntnisse über die effektive Situation auf dem Acker zu erzielen.
  • Keine der bisher durchgeführten Studien mit gentechnisch veränderten, insektenresistenten Bt-Maissorten unter realen Anbaubedingungen auf dem Feld haben die prognostizierten Gefahren für Nützlinge und andere, sogenannte Nicht-Ziel-Organismen bestätigt. Im Gegenteil: In vergleichenden Feldstudien zeigte sich, dass die Anwendung verschiedener chemischer Pflanzenschutzmittel einige der untersuchten Insektenpopulationen vorübergehend mehr schädigen, als dies bei GVO-Sorten der Fall ist.

4.3. Vergleich verschiedener Bekämpfungsstrategien gegen Pilzkrankheiten

  • Pilzkrankheiten stellen bei Kartoffel-, Reben-, Obst-, Gemüse- und Getreidekulturen ein schwerwiegendes landwirtschaftliches Problem dar. Insbesondere in feuchten Anbauperioden können Pilze erhebliche Ernteschäden verursachen.
  • Während konventionell oder integriert produzierenden Landwirten eine Reihe von Fungiziden (chemische Pilzbekämpfungsmittel) zur Verfügung stehen, verwenden Bio-Bauern heute vorwiegend anorganische Kupfer- und Schwefelpräparate. In der Schweiz sind dies oft 4 kg Reinkupfer pro Hektar jährlich. Problematisch ist Kupfer vor allem deshalb, weil es sich im Boden anreichert und ihn auf Dauer unfruchtbar macht.
  • Seit Jahren wird intensiv mit gentechnischen Züchtungsmethoden an nachhaltigen Alternativen zur chemischen Pilzbekämpfung geforscht. Dank Gentechnik können pflanzeneigene Resistenzgene identifiziert und natürliche Abwehrmechanismen erforscht werden. Weitere Forschungsprojekte konzentrieren sich auf die Übertragung von pilzabwehrenden Genen (z.B. Enzyme wie Chitinasen) auf wichtige Kulturpflanzen. Erste GVO-Sorten mit erhöhter Krankheitsresistenz sollen nun in Feldversuchen unter realen Anbaubedingungen getestet werden. Die gentechnische Pflanzenzucht eröffnet gegenüber der klassischen Züchtung neue Wege, um den Bauern in naher Zukunft widerstandsfähigere Sorten für eine ökologischere Landwirtschaft anbieten zu können.

4.4. Ökologische Vorteile von biologischer Landwirtschaft und grüner Gentechnik

  • Der biologische Landbau zeichnet sich durch extensivere Bewirtschaftung der Böden, verringerten Gebrauch an chemischen Pflanzenschutzmitteln und Dünger sowie die Förderung gemischter Landwirtschaftsbetriebe (Pflanzenproduktion und Viehwirtschaft) aus. Gemäss verschiedenen Studien hat die biologische Landwirtschaft im Vergleich zur integrierten Produktion (IP) positive Auswirkungen auf die natürliche Bodenfruchtbarkeit (höherer organischer Anteil, weniger saure Böden, verbesserte Bodenstruktur und -aktivität, mehr Bodenlebewesen) und die Artenvielfalt von Pflanzen, Tieren, Mikroorganismen auf dem Feld.
  • Bei den kommerziell zugelassenen, gentechnisch veränderten Pflanzen der ersten Generation stehen aus ökologischer Sicht beachtliche Einsparungen an Spritzmitteln im Vordergrund. In den USA wurden dank transgenen Bt-Baumwollsorten zwischen 1996-2000 rund eine Million Kilogramm konventionelle Insektizide eingespart. Bt-Maissorten haben nachweislich geringere negative Auswirkungen auf die Nutzinsekten als verschiedene synthetische Pflanzenschutzmittel. Mit transgenen herbizidtoleranten Sojasorten konnte der Spritzmitteleinsatz in Nordamerika um durchschnittlich 10-20% (teilweise bis zu 50%) gesenkt werden - unter Verwendung von ökologisch vorteilhaften Wirksubstanzen. Eine im Februar 2001 veröffentlichte dänische Studie zeigte, dass der Anbau von transgenen herbizidtoleranten Zuckerrüben zu einer vielfältigeren Begleitkraut-Flora und einer erhöhten Artenvielfalt bei den Insekten führt im Vergleich zum herkömmlichen Futterrübenanbau [10].

4.5. Landwirtschaftliche Erträge und Welternährung

  • Eines der wichtigsten Ziele des weltweiten Agrarsektors ist die nachhaltige Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge. Der Einsatz von Hybridsorten und synthetischen Stickstoffdüngern führte in den letzten Jahrzehnten zu massiv steigenden Erträgen und sinkenden Lebensmittelpreisen. Der Anteil der Menschen, die weltweit an Hunger leiden, sank mit der Grünen Revolution von 50% im Jahre 1960 auf heute 20% oder 800 Millionen. Da die Weltbevölkerung weiterhin rasant zunimmt, müssen bis ins Jahr 2020 1.5 Milliarden Menschen zusätzlich ernährt werden - bei gleichzeitiger Abnahme des verfügbaren Ackerlands pro Kopf.
  • Gentechnisch veränderte, krankheits- und schädlingsresistente sowie trockenheits- oder salztolerante Pflanzen haben das Potenzial, wichtige Beiträge zur Bewältigung dieser Herausforderung zu leisten. Die Verbesserung der Qualität von wichtigen Kulturpflanzen ist ein weiteres Ziel gentechnischer Züchtungsmethoden. Mit dem sogenannten "Goldenen Reis", der im Reiskorn Provitamin A bildet, soll dereinst ein Beitrag zur Verminderung von Vitamin-A-Mangelkrankheiten in Entwicklungsländern geleistet werden.
  • Im Bio-Landbau werden Ertragseinbussen von 10-40% in Kauf genommen (durchschnittlich 20%). Durch den Bio-Landbau allein, der die Verwendung synthetischer Stickstoffdünger untersagt, könnten heute maximal vier der sechs Milliarden Menschen ausreichend ernährt werden.

5. Fazit

  • Die heute zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Methoden (biologisch, integriert/konventionell, gentechnisch) haben alle ihre Vor- und Nachteile. Eine direkte Gegenüberstellung von Nutzen und Risiken der verschiedenen Systeme und ihrer Produkte ist aufgrund des Mangels an vergleichenden Studien nur bedingt möglich. Mehr Forschung ist auf diesem Gebiet notwendig, um die bisherigen Resultate zu bestätigen und gesicherte Erkenntnisse zu erhalten.
  • Gentechnisch veränderte Produkte unterliegen seit ihrer Einführung sehr strengen Sicherheits-bestimmungen und gehören zu den am besten untersuchten Nahrungsmitteln überhaupt. Ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit muss vor der Markteinführung wissenschaftlich nachgewiesen sein. Im Interesse der Gesundheit der Konsumenten sollten zukünftig auch Bio-Produkte und konventionelle Lebensmittel vergleichbaren Sicherheitsbewertungen unterliegen, wie sie bei GVO-Produkten seit jeher angewendet werden.
  • Sowohl konventionelle, wie auch biologische und gentechnische Landwirtschaft haben aus agronomischer, gesundheitlicher und ökologischer Sicht ihre Daseinsberechtigung. Das Nebeneinander der verschiedenen landwirtschaftlichen Strategien ist geradezu entscheidend für eine nachhaltige Landwirtschaft der Zukunft. Nur eine flexible und gezielte Verbindung sämtlicher sinnvoller Lösungsansätze ermöglicht es, das gesamte vorhandene Potenzial auszuschöpfen.
  • Ein einseitiger Verzicht auf gentechnische Züchtungsmethoden lässt sich wissenschaftlich nicht rechtfertigen. Es wäre unverständlich und kurzsichtig, diese neuen Chancen bei der Bewältigung ungelöster landwirtschaftlicher Probleme nicht zu nutzen.

6. Literatur

  1. Willer H., Yussefi M. 2001. Ökologische Agrarkultur Weltweit 2001 - Statistiken und Perspektiven. SÖL-Sonderausgabe Nr. 74. Stiftung Ökologie & Landbau, Bad Dürkheim, Deutschland.
  2. Kortbech-Olesen R. 1999. Organic Food and Beverages: World Supply and Major European Markets. International Trade Centre UNCTAD/WTO (ITC), Geneva, Switzerland.
  3. James C. 2000. Global Status of Commercialized Transgenic Crops: 2000. ISAAA Briefs No. 21. ISAAA, Ithaca, New York, USA.
  4. http://www.transgen.de/
  5. http://www.bio-suisse.ch
  6. INRA (EUROPE) - European Coordination Office. 2000. Eurobarometer 52.1 - The Europeans and Biotechnology. Directorate-General for Education and Culture "Citizens' Centre", Brussels, Belgium.
  7. International Food Information Council (IFIC). 2001. U.S. Consumer Attitudes Toward Food Biotechnology, Washington D.C., USA.
  8. Longchamp C. 2000. Gentech-Akzeptanz zwischen Optimismus und Pessimismus. GfS-Forschungsinstitut, Bern, Schweiz (http://www.gfs.ch/publset.html).
  9. Survey into GM foods. 2001. NOP Research Group, London, UK (http://www.cropgen.org/).
  10. Elmegaard N., Bruus Pedersen M. 2001. Flora and Fauna in Roundup Tolerant Fodder Beet Fields. NERI Technical Report No. 349. National Environmental Research Group, Silkeborg, Denmark (http://www.dmu.dk/1_viden/2_Publikationer/3_fagrapporter/rapporter/FR349.pdf).

Die vollständige Literaturliste kann der ausführlichen Fassung der Studie entnommen werden.

Tagung: GVO-Futter


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