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Sicherheits-Forschung: Entwarnung für den Monarch-Falter
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Raupe des Monarch- Falters, ©USDA-ARS |
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1999 sorgte eine Veröffentlichung der Gruppe von John E. Losey von der
Cornell University (New York) für Aufregung: In Laborversuchen wurde
gezeigt, dass Pollen von gentechnisch veränderten Bt-Maispflanzen die
Raupen des Monarchfalters schädigen können, welcher in den USA unter
Naturschutz steht. Weiterführende Studien zeigten dann, dass die akute
Schädlichkeit der Bt-Maispollen bei kurzzeitigem Verzehr gering und das
Risiko unter natürlichen Bedingungen nur sehr klein ist.
Eine Empfehlung der US-Umweltschutzbehörde EPA bei der Zulassung der
insektenresistenten Bt-Maissorten war allerdings, mögliche negative
Umwelt-Auswirkungen dieser Pflanzen auch in Langzeitversuchen zu testen.
Die Resultate einer solchen Studie, von Galen P. Dively und Mitarbeitern
von der Universität Maryland, liegen nun vor.
Monarch-Raupen haben eine sehr einseitige Diät: sie ernähren sich
ausschliesslich von Blättern der Seidenpflanze, welche gelegentlich als
Unkraut in der Nähe von Maisfeldern wächst. Fallen nun Pollen von Bt-
Maispflanzen auf die Blätter von Seidenpflanzen, können sie von Monarch-
Raupen mit verzehrt werden. Die Bt-Insektenschutzsubstanz, welche eine
Resistenz gegen den Maiszünsler eine Mottenart - bewirkt, kann dabei
auch auf verwandte Schmetterlingsarten wirken. Wurden Monarch-Raupen
während ihrer gesamten Entwicklung ausschliesslich mit
Seidenpflanzenblättern gefüttert, auf denen sich unter natürlichen
Bedingungen Bt-Pollen angesammelt hatten, zeigte sich dass 23.7%
weniger Larven das Erwachsenenstadium erreichten. Allerdings kommt dies
in der Natur nur selten vor, da die kurze Blütezeit des Mais und die
Entwicklungszeiten der Monarch-Raupen nur selten zusammenfallen. Exakte
Modellrechnungen, in denen die bekannten Blütezeiten der Maispflanzen
und das Vorkommen von Monarch-Raupen in den USA und Kanada
verglichen wurden, zeigten dass in den Staaten des nordamerikanischen
"Mais-Gürtels", in denen intensiv gentechnisch verbesserter Bt-Mais
angebaut wird, das zusätzliche Sterberisiko für Monarch-Larven gerade
einmal 0.6% beträgt. Die Hälfte der Monarch-Population brütet in Staaten,
in denen sowieso kein Mais angebaut wird.
Die Autoren schliessen, dass dieses geringe Risiko wohl keine Gefahr für die
Population der Monarch-Schmetterlinge darstelle. Winterstürme, die 2002
80% der Monarch-Population töteten, hätten zu keinen nachhaltigen
Schäden geführt. Zudem würde der Einsatz von Bt-Mais zu einer deutlichen
Reduktion des Einsatzes von Insektiziden auf den Maisfeldern führen,
welche akut toxisch für Monarch-Larven seien dies könnte mögliche
nachteilige Auswirkungen Bt-Maispflanzen aufwiegen.
Quellen: Galen P. Dively et al. 2004, "Effects on Monarch Butterfly Larvae (Lepidoptera: Danaidae) After Continuous Exposure to Cry1Ab-Expressing Corn During Anthesis", Environ. Entomol. 33:1116-1125; "Monarchfalter: Gefahr für einzelne Raupen, aber nicht für die Population ", www.biosicherheit.de; "Internutrition kritisiert verantwortungslose Verunsicherungstaktik von Greenpeace", Internutrition Medienmitteilung, 14. 12. 04.
Bt-Mais in Europa: Finanzielle Vorteile für Landwirte fördern Ausbreitung in Spanien
Im Jahr 1998 wurde zünslerresistenter Bt-Mais in Spanien zum Anbau
zugelassen, und eroberte sofort etwa 5% der Anbaufläche. Bis 2002 wurde
aufgrund einer freiwilligen Beschränkung des Herstellers Syngenta die
Menge des gelieferten Saatgutes nicht erhöht, so dass die Anbaufläche in
diesen Jahren konstant etwa 25.000 Hektaren betrug. 2003 endete die
Selbstbeschränkung, und die Anbaufläche erhöhte sich auf 32.000 ha.
Matty Demont und Eric Tollens von der Universität Leuven (Belgien) haben
in einer ökonomischen Untersuchung den wirtschaftlichen Nutzen beziffert,
den die neue Technologie in den letzten Jahren gebracht hat. Sie kommen
zum Schluss, dass Jahr für Jahr durchschnittlich 1.8 Millionen Euro
zusätzliche Einnahmen anfielen insgesamt 15.5 Millionen Euro in den
sechs Jahren. Dabei verteilten sich diese Einnahmen zu etwa zwei Drittel
auf die Landwirte, welche von höheren Erträgen und niedrigeren
Produktionskosten profitierten, und zu einem Drittel auf die
Saatgutindustrie, welche für den Biotech-Mais einen Preisaufschlag erhält.
Das Ende der beschränkten Verfügbarkeit für Bt-Mais-Saatgut hat im Jahr
2004 zu einem wahren Biotech-Boom in Spanien geführt: innerhalb von nur
einem Jahr schoss die Anbaufläche von Bt-Mais um 80% in die Höhe, auf
58'200 ha. Der Sprecher einer Produzentenorganisation zitiert
Ertragssteigerungen von bis zu 15% als wichtiges Argument für den
Biotech-Mais. Nach dem Verbot einer Reihe von Pflanzenschutzmitteln stelle
der gentechnisch veränderte Mais für die Landwirte eine Alternative dar, um
weiterhin wettbewerbsfähig produzieren zu können.
Quellen: M. Demont und E. Tollens 2004, "First impact of biotechnology in the EU: Bt maize adoption in Spain", Annals of Applied Biology 145: 197-207; "Gentech-Mais in Spanien auf dem Vormarsch", Landw. Informationsdienst LID, 14. 12. 2004.
Grüne Biotechnologie: Weltweit immer weitere Verbreitung
Weniger als zehn Jahre sind seit dem Beginn der Vermarktung gentechnisch
veränderter Pflanzen (1996) vergangen. Inzwischen ist aus der zuerst in
den USA grossflächig eingesetzten Technologie ein globaler Trend
geworden.
In seinem umfangreichen neuen Bericht " Die globale Verbreitung der
Pflanzen-Biotechnologie: Internationale Anwendung und Forschung im Jahr
2004" stellt Prof. C. F. Runge von der Universität Minnesota aktuelle
Entwicklungen bei Anbau und Forschung zusammen. Mittlerweile in 18
Ländern werden gentechnisch verbesserte Pflanzen auf dem Acker
angebaut, während zusätzlich 45 Staaten daran forschen. Von den
insgesamt 63 Ländern, in welchen mit Gentech-Pflanzen gearbeitet wird,
sind über die Hälfte Entwicklungs- und Schwellenländer. Insgesamt 57
verschiedene Pflanzenarten werden inzwischen mit Hilfe der Biotechnologie
verbessert; die Liste reicht von den vertrauten Arten Mais und Soja über
Kaffee, Knoblauch, Kirschen und Spinat bis hin zu Maniok und Hirse.
Der Wert der 2003-2004 geernteten Biotech-Nutzpflanzen betrug dabei 44
Milliarden US$ - bereits im nächsten Jahrzehnt rechnet man mit einem
Betrag von 210 Milliarden US$. Prof. Runge sieht dabei die stärkste
Ausbreitung und Zunahme von Zulassungen in Asien, Latein-Amerika und
Teilen von Afrika. Eine wichtige Rolle dabei wird China spielen, das in letzter
Zeit mehrere hundert Millionen US$ in die Pflanzenbiotechnologie investiert
hat hierbei wird es weltweit nur durch die USA übertroffen.
In Europa zeigt sich ein gegenläufiger Trend. Aufgrund der unklaren
rechtlichen Lage und des mittlerweile beendeten de fakto-Moratoriums in
der EU wurde Ende der neunziger Jahre ein drastischer Rückgang der
Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen beobachtet;
zwischen 1998 und 2002 gingen diese um 87% zurück. Runge weist darauf
hin, dass eine Beschränkung der Forschung und Anwendung im Bereich der
grünen Biotechnologie innerhalb von Europa deren weltweite Ausbreitung
nicht verhindern könnte. Eine zunehmende Isolation würde allenfalls den
bereits jetzt zu beobachtenden Trend verstärken, dass junge talentierte
Forscher auf diesem Gebiet ihre Karrieren ausserhalb von Europa suchen.
Quellen: C. Ford Runge and Barry Ryan 2004, "The Global Diffusion of Plant Biotechnology: International Adoption and Research in 2004", online Veröffentlichung, University of Minnesota, Dezember 2004; "Plant Biotechnology Goes Global With Research and Production in 63 Countries", Council for Biotechnology Information (www.whybiotech.com), Dezember 2004
GVO-freie Futtermittel: Grosser Mehraufwand für die Schweiz
Die Schweiz ist stark von Futtermittel-Importen abhängig. Jährlich werden
so z. B. etwa 250'000 t Sojaprodukte eingeführt. Momentan sind die
importierten Futtermittel praktisch GVO-frei letztes Jahr bestanden gerade
einmal 0.2% aus GVO-Sorten. Weltweit nimmt der Anbau von GVO-Pflanzen
für die Futtermittelproduktion allerdings stetig zu. In Argentinien stammen
bereits 98% der Sojaproduktion von GVO-Pflanzen. Dies bedeutet einen
steigenden Aufwand bei der Beschaffung gentech-freier Futtermittel.
Auf 15 Millionen Franken jährlich schätzen Paul Klemenz und Markus Stalder
von der fenaco die jährlichen zusätzlichen Beschaffungskosten für garantiert
GVO-freies Tierfutter auf dem Weltmarkt. Dabei müssen auch die Händler
einen enormen Aufwand treiben, um jede einzelne Charge und Lieferung
aus dem Ausland genau zu untersuchen. Die Kosten für die GVO-Analytik
von Soja-Importen belaufen sich bei der fenaco auf etwa 100'000 SFr
jährlich. Dazu kommt ein grosser administrativer Aufwand: Die
Dokumentation für eine einzige Partie Sojaschrot, die bis zum Landwirt
zurückverfolgt wird, umfasst 100 A4-Seiten. In den nächsten Jahren werden
die Kosten aufgrund strengerer Vorschriften und reduzierter Verfügbarkeit
auf dem Weltmarkt weiter zunehmen.
Quelle: Paul Klemenz und Markus Stalder, "Ist ein Trennen noch möglich?", UFA-Revue November 2004, S. 36-37; "Schweizer Futtermittelmarkt ist weitgehend gentechfrei", Landwirtschaftlicher Informationsdienst, 19. 2. 2004.
Text: Jan Lucht