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Pack-MULEs: Genetische Packesel durchmischen das pflanzliche Erbgut
Das Erbgut aller Lebewesen ist kein statischer Informationsspeicher,
sondern eine dynamische Struktur welche permanenten Veränderungen
unterworfen ist erst dies ermöglicht die Evolution. Bereits in den 1940er
Jahren konnte Barbara McClintock zeigen, dass sich springende genetische
Elemente so genannte Transposone innerhalb des Mais-Erbguts
herumbewegen können. Bei ihrem Wieder-Einbau an zufälligen Stellen im
Genom können sie unvorhersehbare Veränderungen und Mutationen
bewirken, da sie oft die Funktion der Erbinformationen an ihrem Einbau-Ort
zerstören. Ähnliche mobile Elemente wurden inzwischen in fast allen
Organismen gefunden, wobei lange darüber diskutiert wurde, ob sie auch
einen Vorteil für den Organismus haben könnten oder nur als "genetischer
Müll" von Generation zu Generation mitgeschleppt werden.
Eine neue Forschungsarbeit zeigt nun, dass diese oft zerstörerischen
Elemente auch als Packesel dienen können um Informationen innerhalb des
Erbgutes umzuordnen. Bei ihrer Untersuchung des Reis-Genoms, welches
vor kurzem entschlüsselt wurde, beobachtete Ning Jiang von der University
of Georgia dass manche Abschnitte des Erbguts offenbar von mobilen
genetischen Elementen (MULE = mutator-like transposable elements)
eingepackt worden waren und an andere Positionen des Genoms
verfrachtet worden sind. Diese Kombination von MULEs mit verpackter
Information wurde als "Pack-MULE" bezeichnet, ein Wortspiel das auf
Deutsch "Pack-Esel" bedeutet. Eine aufwändige Computer-Suche durch alle
430 Millionen Buchstaben des Reis-Genoms förderte über 3000 derartiger
Pack-MULES zutage, welche verschiedene genetische Informationen
aufgelesen hatten und danach an andere Positionen gesprungen waren. Die
neu platzierte Erbinformation bei manchen der gefundenen Pack-MULEs
wird offenbar abgelesen, wobei noch nicht klar ist welche Folgen das für die
Pflanze hat. In einem Teil der Pack-MULEs fanden sich Informationen von
unterschiedlichen Stellen des Erbgutes neu zusammengestellt, wodurch
neue genetische Eigenschaften entstehen können. Die Beobachtung von
tausenden dieser Elemente im Reis-Genom lässt vermuten, dass Pack-
MULEs eine wichtige, bisher unbekannte Rolle bei der Entstehung neuer
Erbeigenschaften und eine treibende Kraft der Evolution sein könnten.
Quellen: N. Jiang et al. 2004, "Pack-MULE transposable elements mediate gene evolution in plants.", Nature 431:569-573.; "Pack-MULEs are toting a new look at plant evolution", EurekAlert Medienmitteilung, 29. September 2004.
Biotech-Pflanzen: Grosser realisierter Nutzen für Landwirte in den USA, grosses Potential für Europa
Der grossflächige Anbau gentechnisch verbesserter Pflanzen in der
Landwirtschaft ist in einigen Kontinenten (z. B. Nordamerika) bereits seit
Jahren Routine, während er in Europa noch kaum verbreitet ist. In der
Schweiz ist der Anbau noch nicht zugelassen.
Das Nationale Zentrum für Lebensmittel- und Landwirtschaftspolitik
(NCFAP) in Washington hat im Oktober einen Bericht vorgestellt, in dem die
umfangreichen Erfahrungen der US-Landwirte mit Biotech-Pflanzen in den
letzen Jahren zusammengefasst werden. Dort sind inzwischen drei Viertel
der Raps- und Baumwollpflanzen und über 80% der Sojabohnen
gentechnisch verändert, auch bei Mais, Papaya und Kürbis wird Gentechnik
eingesetzt. Die US-Anbaufläche mit Gentech-Pflanzen beträgt 43 Millionen
Hektaren zum Vergleich: die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche der
Schweiz umfasst etwa 1 Millionen Hektaren.
Die verbreitete Verwendung von insektenresistenten, virusresistenten oder
herbizidtoleranten Sorten in den USA resultierte 2003 in Einsparungen bei
den Produktionskosten von 1.5 Milliarden US$. Aufgrund der erhöhten
Produktivität konnten sich die US-Farmer unter dem Strich, trotz höherer
Kosten für das Biotech-Saatgut, über ein Mehr von 1.9 Milliarden US$ im
Säckel freuen. Diese Zahlen machen verständlich, warum sich jedes Jahr
mehr US-Landwirte aus freien Stücken für den Anbau von Gentech-Pflanzen
entscheiden. Aber auch ökologische Vorteile sind offenkundig: Im Vergleich
zur konventionellen Landwirtschaft ermöglichten die Gentech-Pflanzen die
Einsparung von 21 Millionen kg Pestiziden (aktive Wirkstoffe), zudem
unterstützen sie bodenschonende, pfluglose Anbaumethoden.
Auch in Europa ist in den nächsten Jahren mit einer Zunahme des Anbaus
von Biotech-Nutzpflanzen zu rechnen. Modellrechnungen des NCFAP,
welche das Potential für neun gentechnisch verbesserte Sorten von
insektenresistentem Mais über herbizidtolerante Zuckerrüben bis zu
pilzresistenten Kartoffeln in Europa ausloten, gehen von möglichen
ökonomischen Vorteilen und Pestizid-Einsparungen in ähnlicher
Grössenordnung aus.
Quellen: S. Sankula und E. Blumenthal 2004, "Impacts on US Agriculture of Biotechnology-Derived Crops Planted in 2003 An Update of Eleven Case Studies", National Center for Food and Agricultural Policy NCFAP, Washington DC;
Zusammenfassung und zusätzliche Informationen zur US-Pflanzenbiotechnologie auf www.ncfap.org; "Plant Biotechnology: Potential Impact for Improving Pest Management in European Agriculture: A Summary of Nine Case Studies", NCFAP Website www.ncfap.org.
Bt-Baumwolle in China: Insektenresistente Pflanzen reduzieren Gesundheitsgefahren für Landwirte
Bei der Entscheidung darüber, ob der Einsatz gentechnisch verbesserter
Pflanzen in der Landwirtschaft nützlich ist, wird von Kritikern der
Biotechnologie oft auf ein unwägbares, hypothetisches Risiko hingewiesen,
welches mit der Einführung der neuartigen Anbaumethoden verknüpft sein
könnte. Dabei wird angenommen, dass es besser sei bei gegenwärtig
praktizierten, bewährten und als sicher empfundenen Methoden zu
verbleiben.
In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "International Journal of
Occupational and Environmental Health" hinterfragen Forscher der Rutgers
University in USA und der chinesischen Akademie der Wissenschaften diese
Sichtweise. Sie weisen darauf hin, dass jährlich im Durchschnitt 54.000 Fälle
von Vergiftungen mit Pestiziden in China gemeldet werden, 490 davon
verlaufen tödlich. Gentechnisch veränderte Bt-Baumwolle, welche gegen
bestimmte Schadinsekten resistent ist und weniger Pflanzenschutzmittel
benötigt, könnte hier einen positiven Beitrag leisten. Diese Biotech-Pflanzen
werden auch in China, dem Land mit dem vermutlich weltweit höchsten
Einsatz von Pestiziden, in den letzten Jahren verstärkt angebaut.
In der Tat zeigte eine Erhebung bei mehreren hundert Baumwoll-Bauern in
verschiedenen Provinzen, dass bei dem Anbau von Bt-Baumwolle der
Pestizid-Einsatz von 46 auf 18 kg/ha zurückging. Dabei konnte vor allem auf
Spritzmittel der höchsten Giftklasse verzichtet werden. Statt einem Drittel
(33%) der konventionellen Landwirte klagte weniger als jeder Zehnte (9%)
der Biotech-Farmer über Vergiftungserscheinungen durch Pestizide, welche
sich durch Kopfschmerzen, Übelkeit, Schmerzen oder Verdauungsstörungen
äusserten.
Die Autoren der Studie fordern, dass derartige, klar belegten
gesundheitliche Vorteile bei einer Bewertung des Nutzens von gentechnisch
veränderten Nutzpflanzen mit einbezogen werden sollten, und gegen ein
spekulatives, bisher nicht nachgewiesenes Risiko abgewogen werden
sollten.
Quellen: F. Hossain et al. 2004, "Genetically Modified Cotton and Farmers' Health in China", Int. J. Occup. Environ. Health 10:296-303; "Study Links Bt Cotton to Farmer Health", Crop Biotech Update, 22. Oktober 2004.
NK603: EU lässt gentechnisch verbesserten Mais als Lebensmittel zu
Am 26. Oktober hat die EU-Kommission eine weitere gentechnisch
verbesserte Pflanzensorte als zum Import als Lebensmittel zugelassen. Der
NK603-Mais ist widerstandsfähig gegen das Herbizid Glyphosat und erlaubt
den Landwirten eine verbesserte Unkrautkontrolle. Er wird vor allem in
verarbeiteten Lebensmitteln wie Maisöl und Stärke Verwendung finden.
Bereits im Juli war die Sorte als Futtermittel genehmigt worden (POINT Juli
2004). Der Anbau in der EU ist noch nicht gestattet.
Quelle: "Einfuhr von gentechnisch veränderten Mais NK603 genehmigt", Europa online, 26. Oktober 2004; NK603 als Lebensmittel, Beurteilung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA ,www.efsa.eu.int.
Gentechnik-Lebensmittel: Wissenschaftsakademien bewerten gesundheitliche Auswirkung
Gibt es Risiken für den Verbraucher beim Verzehr von Nahrungsprodukten
aus gentechnisch veränderten Pflanzen? Dieser Frage ging die Union der
deutschen Akademien der Wissenschaften nach. Dieser Dachorganisation
gehören 1600 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verschiedenster
Fachrichtungen an, die zu den national und international herausragenden
Vertretern ihrer Disziplinen gehören.
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass beim Verzehr von Lebensmitteln
aus in der EU zugelassenen gentechnisch veränderten Pflanzen kein
erhöhtes Gesundheitsrisiko gegenüber dem Verzehr von Produkten aus
konventionellem Anbau besteht, dass im Gegenteil in einzelnen Fällen
Lebensmittel aus GVO den konventionellen Lebensmitteln in Bezug auf die
Gesundheit sogar überlegen sind. Das Allergierisiko sei bei Gentech-
Lebensmitteln deutlich geringer als bei konventionellen Neuzüchtungen.
Insektenresistenter Bt-Mais weise oft eine geringere Belastung mit Pilzgiften
auf als nicht gentechnisch veränderte Sorten, welche durch Insektenfrass
anfällig für Pilzkrankheiten werden. Negative Auswirkungen des Verzehrs
transgener DNA oder unerwartete gesundheitsschädliche Veränderungen
durch den Einbau der zusätzlichen Gene seien weder zu erwarten, noch
wurden sie je beobachtet. Dis Studie weist darauf hin, dass weltweit
gentechnisch veränderte Pflanzen und Produkte daraus bereits seit Jahren
Nahrungsbestandteil für Hunderte Millionen Menschen sind. Dabei gab es
keinen wissenschaftlich fundierten Bericht, der eine Gesundheits-
Gefährdung voraussah, und später ebenso keinen einzigen darüber, dass
Menschen durch die Nahrungsmittel zu Schaden gekommen sind.
Quellen: "Gibt es Risiken für den Verbraucher beim Verzehr von Nahrungsprodukten aus gentechnisch veränderten Pflanzen?", Stellungnahme der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, September 2004; "Memorandum zur Bewertung der Grünen Gentechnik", www.gruene-biotechnologie.de.
Brasilien: Anbaubewilligung für Gentech-Soja verlängert
Brasilien gehört zu den wichtigsten Soja-Produzenten weltweit. Aufgrund
der starken Nachfrage der Farmer wurde der Anbau gentechnisch
verbesserter Sorten, die einen effizienteren Anbau ermöglichen, letztes Jahr
provisorisch zugelassen. Da die parlamentarische Behandlung des neuen
Biotechnologie-Gesetzes noch nicht abgeschlossen ist, welches in Zukunft
die Verwendung von Gentech-Saatgut regeln soll, unterzeichnete am 14.
Oktober der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva einen Erlass,
der den Anbau von Gentech-Soja für eine weitere Saison (2004/05)
bewilligt.
Gustavo Gonçalves, der Präsident der Brasilianischen Sojaproduzenten-
Vereinigung (Aprosja), geht davon aus dass sich damit der Gentech-
Sojaanbau in der kommenden Anbausaison verdoppeln wird und 2004/2005
auf 6 Mio. Hektaren, einem Drittel der brasilianischen Soja-Anbaufläche,
Biotech-Sorten wachsen werden. Die Ausweitung des Gentech-Anbaus
werde dabei auch in Provinzen stattfinden, welche bisher weitgehend
konventionell produzieren. Die Zunahme werde allerdings momentan durch
die beschränkte Verfügbarkeit des Saatgutes limitiert.
Quellen: "Executive order clears way for Brazil 2004/05 GM soy ", Agência Estado Brazil Nachrichten, 15. Oktober 2004; "Aprosoja: 25%-33% Brazil´s 2004/05 soy will be GM ", Agência Estado Brazil Nachrichten, 18. Oktober 2004; "Brasilien: Anbau von gv-Soja wird Normalität", www.transgen.de.
Text: Jan Lucht
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