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2002-07-03 00:00:00
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Antibiotika-Resistenzen

PositechTM: Alternative zu Antibiotika-Resistenz-Markergenen für gentechnisch veränderte Pflanzen

Wissenschafter gehen auf die Besorgnisse der Öffentlichkeit ein und bieten innovative Lösungen an

Als Reaktion auf die Besorgnisse von Konsumentinnen und Konsumenten wird in der Pflanzenbiotechnologie ein neues System von Markergenen mit der Bezeichnung PositechTM etabliert. Das PositechTM-System bietet eine neuartige und effiziente Forschungs-Alternative zu Antibiotika-Resistenz-Markergenen oder zu Herbizidtoleranz-Markergenen in gentechnisch veränderten Pflanzen.

Die Firma Novartis, welche das System entwickelt hat, verwendet Positech gegenwärtig bei der Entwicklung mehrerer Produkte, insbesondere Mais und Weizen. Die Technologie soll über einfache Lizenzierungsverfahren in grossem Umfang sowohl für biotechnologische Unternehmen als auch für akademisch orientierte Wissenschafter verfügbar gemacht werden. Lizenzen für Positech sind weltweit bereits an mehr als hundert führende Laboratorien in Universitäten und in der industriellen Forschung vergeben worden. An der ETH Zürich wird das System bereits erfolgreich bei Maniok verwendet, einer Feldfrucht, die in den Entwicklungsländern grosse Bedeutung hat.

Novartis wird Positech ohne Lizenzgebühren über die lokalen Unternehmen den Kleinbauern in Entwicklungsländern zur Verfügung stellen, sofern geeignete Vorschriften bestehen, die das Inverkehrbringen von GVOs betreffen und damit die Sicherheit von Anwendern und Verbrauchern gewährleisten.

Hintergrundinformation:
Markergene ermöglichen Wissenschaftern, Pflanzenzellen zu selektionieren, die verbesserte Eigenschaften aufweisen. Bis anhin wurden dafür in erster Linie Gene verwendet, welche die Pflanzenzellen tolerant machten gegenüber Antibiotika oder Herbiziden. Positechbasiert auf einem Markergen, welches Pflanzenzellen in die Lage versetzt, einen einfachen Zucker (Mannose) zu verwenden um zu wachsen und neue Pflanzen zu bilden. PositechTM bietet damit eine Alternative für die Antibiotika-Resistenz-Markergene bei zukünftigen gentechnisch veränderten Pflanzen. Antibiotika-Resistenz-Markergene stellen zwar kein Risiko für Landwirte oder Verbraucher dar, doch werden solche Systeme oftmals mit dem Einsatz von Antibiotika in der Medizin verwechselt. In der Pflanzenbiotechnologie wird daher zunehmend auf den Einsatz solcher Markergene verzichtet, wo immer das möglich ist.


Antibiotika-Resistenzen

  • Aufgrund umfangreicher und intensiver Untersuchungen herrscht grosse wissenschaftliche Übereinstimmung darüber, dass Erbmaterial während der Verdauung abgebaut und dadurch inaktiviert wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass noch funktionsfähige Einheiten vorliegen, die von Darmbakterien aufgenommen und stabil in ihr eigenes Erbgut eingebaut werden können, ist äusserst gering (BATS, gentechnisch veränderte krankheits- und schädlingsresistente Nutzpflanzen, Abschlussbericht 2, 1997, S. 14).
  • Es ist daher äusserst unwahrscheinlich, dass Antibiotika-Resistenz-Gene von gentechnisch veränderten Pflanzen nach Verzehr durch Mensch oder Tier auf Darmbakterien in deren Darm übertragen werden. (Bakterien tauschen untereinander Genmaterial aus oder nehmen aktiv bakterielles Genmaterial auf und integrieren es. Hingegen konnte trotz umfangreicher Untersuchungen unter natürlichen Bedingungen noch nie nachgewiesen werden, dass beim Verzehr von pflanzlichen Nahrungsmitteln oder beim Verrotten von Pflanzenmaterial ein Gentransfer auf Mikroorganismen stattfindet.)
  • Sollte eine derartige Übertragung unter bestimmten Bedingungen dennoch eintreten, so wäre der Anteil zusätzlich antibiotikaresistenter Bakterien gemessen an der Gesamtzahl im Darm natürlich vorkommender antibiotikaresistenter Bakterien vernachlässigbar klein.
  • Ein Untersuchungsbeispiel: Studien zur Sicherheitsbeurteilung der Flavr-Savr-Tomate beschreiben das theoretisch schlimmste Szenario, wonach die Gene die Verdauung unbeschädigt überstehen, von Bakterien aufgenommen und in deren Erbgut eingebaut werden und dann auch noch das für die Resistenz massgebende Eiweiss produziert wird. Nach diesem äusserst unwahrscheinlichen Szenario beträgt die maximale Zunahme antibiotika-resistenter Bakterien bei der Aufnahme einer durchschnittlichen Menge von Flavr-Savr-Tomaten 0,000001%.
  • Die medizinische Behandlung mit Antibiotika wird also durch gentechnisch veränderte Pflanzen mit Antibiotika-Resistenzen nicht beeinträchtigt.
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