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Neuer Bt-Mais schützt sich

2002-07-03 00:00:00
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Neuer Bt-Mais schützt sich gegen die Larven des Maiswurzelwurmes im Boden

Pia Rufener Al Mazyad


Wohl 2002 wird ein neuartiger Bt-Mais auf den Markt kommen, der sich gegen Schädlinge im Boden schützt. Der Maiswurzelwurm, der schlimmste Maisschädling der USA, verursacht jährlich Millionenschäden. Die Larven dieser Käfer fressen die Wurzeln junger Maispflanzen, wodurch die Pflanzen umbrechen können. Infolge des Wurzelfrasses treten Blattschäden auf, da die Blätter zu wenig Nährstoffe erhalten. Erwachsene Käfer fressen an den Blättern und Blütenständen, was ebenfalls zu Ernteausfällen führt. Diese Schäden sind jedoch weit weniger schlimm als die, welche die Larven verursachen. Heute wird der Maiswurzelwurm durch Insektizide bekämpft. Auch der herkömmliche Bt-Mais muss mit Insektiziden behandelt werden, da sein Toxin, wohl wirksam gegen den Maiszünsler, den Larven dieser Käfer nichts anhaben kann. Doch bald sollen neue resistente Hybridsorten entwickelt sein. Ein mehrjähriges Forschungsprojekt von Pioneer Hi-Bred und Mycogen (neu Tochter von Dow AgroSciences) verläuft vielversprechend; unabhängig davon arbeitet auch Monsanto an einem ähnlichen Projekt. Dabei ist in verschiedenen Ansätzen nach Resistenzen gegen den Maiswurzelwurm gesucht worden: konventionelle Züchtungsarbeit und Gentechnik haben sich ergänzt. Transgene wie auch nicht-transgene resistente Linien werden nun im Feld geprüft, darunter diverse mit Bt-Genen, die neu in Mais eingebaut worden sind. Wichtig ist dabei, dass auch die feinen Wurzeln, die von den Larven gefressen werden, eine hohe, wirksame Dosis Toxin enthalten. Dies ist bei den heute gebräuchlichen Bt-Genen nicht der Fall.

Verschiedene Arten des Maiswurzelwurmes (engl. corn rootworm, lat. Diabrotica) sind im Maisanbaugebiet der USA weit verbreitet. Wirtschaftliche Schäden verursachen vor allem der Westliche und der Nördliche Maiswurzelwurm. Pro Jahr entwickelt sich eine Generation. Aus den Eiern, die im Boden überwintern, schlüpfen im Frühling Larven, die sich von den Wurzeln junger Maispflanzen ernähren.

In Europa wurde der Maiswurzelwurm erstmals 1992 um Belgrad entdeckt. Seither breitet er sich hauptsächlich in nordwestlicher bzw. nordöstlicher Richtung aus. Die Verbreitungsgeschwindigkeit beträgt 20-60 km pro Jahr. In den nächsten fünf Jahren ist jedoch kaum mit wirtschaftlich bedeutenden Schäden zu rechnen.

Die Situation der Bekämpfung des Maiswurzelwurmes sieht anders aus als beim Maiszünsler, gegen den sich der bekannte Bt-Mais schützt. Maiszünsler wurden bis anhin kaum chemisch bekämpft, da die Larven im Stängel vor Spritzmitteln geschützt sind. Ernteausfälle wurden in Kauf genommen. Dagegen wurde der Maiswurzelwurm seit langem durch Insektizide bekämpft. Gegen die Larven werden flüssige oder pulverförmige Insektizide bei der Aussaat oder kurz danach in den Wurzelbereich der Maispflanzen ausgebracht. Erwachsene Käfer werden manchmal auch mit Spritzmittel bekämpft, die auf die Blätter und Blüten ausgebracht werden. Zudem hilft die Wahl der Fruchtfolge. Durch diese Massnahmen werden die Käferpopulationen nur eingedämmt, jedoch nicht vernichtet. Auch beim Einsatz von Insektiziden überlebt ein beträchtlicher Anteil Käfer, da nicht der ganze Acker, sondern nur der Bereich der Hauptwurzeln der Maispflanzen behandelt wird.

1999 wurde in Feldstudien die Erntemenge der neuen resistenten Maispflanzen mit der von herkömmlichem Mais verglichen, der durch chemische Insektizide vor den Larven des Wurzelwurmes geschützt wird. Weiter wurden ungeschützte Pflanzen betrachtet. Die neuen resistenten Hybridsorten waren deutlich gesünder und ertragreicher als herkömmliche Sorten, die trotz chemischen Insektiziden von einer beträchtlicher Anzahl Larven und Käfer befallen wurden. Klar schlechter schnitten ungeschützte Pflanzen ab, die stark unter dem Insektenfrass litten.

In den letzten Jahren haben sich einzelne Käferpopulationen an die herkömmlichen Bekämpfungsstrategien angepasst und tricksen diese nun aus. Normalerweise hält eine Fruchtfolge Mais - Soja - Mais den Maiswurzelwurm im Schach, da dieser in einem Sojafeld keine Nahrung findet. Nun wurden in den USA unabhängig zwei neue Verhaltensmuster beobachtet, die dieses "Hungerjahr" überbrücken. In einer Gegend wurden Eier des Nördlichen Maiswurzelwurmes beobachtet, die erst im zweiten Frühling nach der Eiablage schlüpfen: Dann, wenn wieder junger Mais heranwächst. Anderswo wurde in den letzten Jahren eine genetisch neuartige Variante des Westlichen Maiswurzelwurmes beobachtet, bei dem sich die erwachsenen Tiere anders verhalten. Sie werden durch Sojapflanzen angezogen, mögen auch Sojablätter und legen ihre Eier lieber zwischen Soja als zwischen Mais ab. Im Folgejahr schlüpfen die Larven im Mais. Dieser Phänotyp breitet sich im Maisanbaugebiet der USA langsam aus. Wo solche Käfer auftreten, müssen eine andere Fruchtfolge eingeführt und sorgfältig Insektizide eingesetzt werden.

Da bereits viele Käferpopulationen mit Resistenzen gegen mehrere chemische Bodeninsektizide bekannt sind, wird die Handhabung der neuen resistenten Bt-Sorten nicht einfach werden. Sorgfältige Anbaustrategien mit Refugien aus nicht-resistenten Pflanzen werden nötig sein, damit die neuentwickelten Insektenresistenzen nicht bald unwirksam werden, da sich die Käfer an die neuen Giftstoffe anpassen.

Eingesparte Insektizide bedeuten einen wirtschaftlichen Vorteil für die Bauern. Der Maiswurzelwurm verursacht in den USA jährlich Schäden von 1 Mia. US$. Jährlich wird dort eine Fläche von 6 Mio. ha Mais mit Bodeninsektiziden für 195 Mio. US$ behandelt. Neue resistente Sorten werden helfen, einen beträchtlichen Anteil davon einzusparen.

Die neuen Hybridsorten mit einer Resistenz gegen den Maiswurzelwurm werden auch einen echten ökologischen Vorteil bringen, da beträchtliche Mengen Insektizide eingespart werden können. Das kommt Bodenlebewesen zugute, die im Bereich der Wurzeln der Maispflanzen leben. Sie werden nicht mehr durch Insektizide geschädigt, ausser, sie knabbern an den Wurzeln des neuartigen Mais.


Websites mit weiterführenden Informationen:

Pioneer Hi-Bred:
Corn Rootworm I: Biology and Management
by Murt McLeod, Agronomy, Research Manager and Michael DeFelice, Chemical Technologies Specialist
CROP INSIGHTS VOL. 9 NO. 7

Close in on rootworms; insect-resistant hybrids show promise in 1999 trials
by Greg D. Horstmeier, February 2000, Farm Journal
www.farmjournal.com

Maiswurzelwurm in Europa:
www.pioneer.com/austria/agro/rootworm.htm

Zum neuartigen Maiswurzelwurm, der Soja liebt:
www.purdue.edu/UNS/html4ever/9709.Stuart.rootworm.html

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