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2010-03-11 17:59:38
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Schweizerische Saatgutbranche und Gentechnologie

Schweizerischer Saatgutproduzentenverband: www.swissem.ch

Dr. Martin Keller, Saatzucht Genossenschaft Düdingen / Z-Saatgut Suisse
Marianne Neuenschwander, Z-Saatgut Suisse
2002


Die Organisation der Saatgutproduktion in der Schweiz
Zertifiziertes Saatgut (Z-Saatgut) bildet die Basis für den marktgerechten und ökologischen Pflanzenbau. Mit dem Kauf von Z-Saatgut erhalten die Bauern ein mehrfach geprüftes und kontrolliertes Qualitätsprodukt. Der schweizerische Bedarf an Saatgetreide und Pflanzkartoffeln wird fast ausschliesslich durch die Inlandproduktion gedeckt. Im Jahr 1999 wurde auf rund 9'000 Hektaren Saatgetreide angebaut. Davon waren 5'100 ha Winterweizen, 1900 ha Wintergerste, 430 ha Wintertriticale und je 460 ha Sommerweizen und Sommerhafer. Auf der übrigen Fläche wurde Saatgut von Sommergerste, Roggen, Dinkel, Sommertriticale und Winterhafer produziert. Die Sortenvielfalt ist beim Getreide enorm gross. Momentan werden in der Schweiz insgesamt über 60 verschiedene Getreidesorten produziert und gehandelt. Gesamthaft beträgt die jährliche inländische Saatgutproduktion beim Getreide rund 30'000 t. Die Produktionsfläche von Pflanzkartoffeln betrug 1999 1'900 ha. Die gesamthaft produzierte und gehandelte Menge von ca. 28'000 Tonnen Pflanzkartoffeln teilt sich auf mehr als 20 verschiedene Sorten auf.

Insgesamt gibt es in der Schweiz rund 2'300 Saat- und Pflanzgutproduzenten. Diese spezialisierten Landwirte verfügen über sehr viel Know-how im Anbau und der Pflege der Kulturen sowie über die besonderen Anforderungen der Saatgutproduktion. Sie sind genossenschaftlich organisiert in den sogenannten Vermehrungsorganisationen (VO). Z-Saatgut wird unter der Kontrolle der zu-ständigen Forschungsanstalten in den VO produziert, aufbereitet, geprüft, verpackt und nach erfolgter Anerkennung in den Handel gebracht. Die Anerkennung erfolgt nur, wenn das Saatgut die Anforderungen bezüglich Sortenechtheit, Sortenreinheit, Saatgutgesundheit und Keimfähigkeit erfüllt. Im Bereich Getreide und Kartoffeln decken die vier grössten VO (ASS Lausanne, SGD Düdingen, SEMAG Lyssach und fenaco Winterthur) zusammen über 80 % der schweizerischen Saatgutproduktion ab. Der Dachverband der Saatgutproduzenten ist der Schweizerische Saatgutproduzentenverband (SSPV) mit Sitz in Delley.

Saatgutbranche lebt von Innovation
Die Saatgutbranche lebt von Innovation, Qualität und Lieferbereitschaft. Die klassische Pflanzenzüchtung hat in den letzten 100 Jahren wesentlich beigetragen zur Steigerung der Qualität, Ökologie und Produktivität im Pflanzenbau. Die Anforderungen an neue Sorten steigen ständig. Damit heute eine Kartoffel- oder Weizensorte erfolgreich vermarktet werden kann, muss sie entweder im Anbau, in der technischen Verarbeitung oder beim Endkonsumenten entscheidende Vorteile bringen. Die klassische Züchtung stösst an Grenzen, wenn all diese Anforderungen in einer Sorte vereinigt werden sollen. Die Gentechnologie als Ergänzung und Weiterentwicklung der klassischen Züchtung könnte hier in Zukunft eine Schlüsselrolle spielen. Während bei der traditionellen Züchtung sämtliche Gene von zwei eng miteinander verwandten Kreuzungspartnern vermischt werden, können mit gentechnischen Methoden einzelne vorteilhafte Gene aus der gesamten biologischen Vielfalt auf eine bestimmte Pflanzensorte übertragen werden. In der Öffentlichkeit wird die Anwendung der Gentechnologie in der Landwirtschaft und Ernährung sehr gegensätzlich diskutiert. Zur Zeit überwiegen die kritischen Stimmen. Mit der Ablehnung der Genschutzinitiative im Jahr 1998 wurde jedoch ein Grundsatzentscheid gegen absolute Verbote im Bereich der Gentechnologie getroffen.

Zukunftspotential der Gentechnologie in der Pflanzenzüchtung

Effizientere Züchtung
Gentechnische Diagnoseverfahren erhöhen die Effizienz der traditionellen Züchtung, indem sie ermöglichen, wichtige Gene zu lokalisieren. Dadurch wird die Auswahl der besten Kreuzungspartner und Nachkommen erleichtert. Durch die Isolierung und Übertragung von ganz bestimmten Genen in konventionell gezüchtete Pflanzensorten werden diese mit einzelnen erwünschten neuen Eigenschaften ausgestattet. Mit transgenen Pflanzen können die altbekannten Zuchtziele schneller und präziser erreicht werden.

Förderung nachhaltiger Produktionsmethoden
Mit gentechnisch gezüchteten schädlings-, pilz-, virusresistenten oder herbizidtoleranten Pflanzen kann der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel bei gleichzeitiger Erhaltung der Ertragssicherheit reduziert werden. Damit werden Böden und Gewässer entlastet und die Umwelt geschont. Durch Anwendung der Gentechnologie können die Qualitätseigenschaften für die Verarbeitung und Vermarktung der Produkte verbessert werden. Mit gentechnischen Herstellungsmethoden sind Rohstoff- und Energieeinsparungen sowie Abfallreduktionen möglich.

Problematik der Gentechnologie in der Pflanzenzüchtung

Risiken der Gentechnologie
Wie jede andere Technik ist auch die Gentechnologie nicht ohne jegliches Risiko. Die biologischen Risiken wie beispielsweise Durchbruch von Resistenzen, Auskreuzung durch Pollenflug oder negativer Einfluss auf Nützlinge werden bei transgenen Pflanzen in der öffentlichen Wahrnehmung höher eingestuft als bei konventionellen Pflanzenzüchtungen. Umfassende Vergleiche zwischen der heute gängigen Praxis im Pflanzenbau und dem Einsatz transgener Nutzpflanzen bezüglich ihrer ökologischen Auswirkungen fehlen weitgehend.

Akzeptanz der Gentechnologie
Während sich in der Medizin die Gentechnologie längst durchgesetzt hat, bestehen heute im Nahrungsmittelbereich vor allem in Europa starke Vorbehalte. Die Nahrungsmittelproduktion ist ein sensibler und emotionaler Wirtschaftsbereich. Die Anwendung der Gentechnologie in der Pflanzenzüchtung wird als etwas Unnatürliches wahrgenommen. Der gegenwärtige Trend geht in Richtung natürliche Produkte. Mangelnde Akzeptanz kann negative Auswirkungen auf die Vermarktungschancen von GVO-Produkten haben.

Überlegungen der Saatgutbranche zur Gentechnologie

1. Wahlfreiheit ist absolutes Muss
Die Abnehmer müssen zwischen herkömmlichen und GVO-Produkten wählen können. Die klare Trennung und Deklaration von GVO-Saatgut und konventionellem Saatgut sind absolut zwingend. Da Saatgut nie zu 100% rein ist, braucht es GVO-Toleranzwerte.

2. Akzeptanz ist wichtig
GVO-Produkte haben nur dann eine Chance, wenn sie von Abnehmern und Konsumenten akzeptiert werden. Nur wenn herkömmliche und GVO-Produkte klar getrennt auf dem Markt erhältlich sind, können Vergleiche angestellt werden. Die Akzeptanz kann sich ändern.

3. Positive Auswirkungen für Landwirte und Konsumenten
Die Gentechnologie im Pflanzenbau wird sich am Markt nur dann durchsetzen, wenn sie den Bauern und den Konsumenten Vorteile bringt. Agronomische Vorteile, Einsparungen beim Pflanzenschutz und verbesserte Qualität werden den Kosten gegenüberstehen.

4. Nachhaltige Landwirtschaft fördern
Die Anwendung der Gentechnologie soll positive Auswirkungen auf die Umwelt haben und einen Beitrag zugunsten einer nachhaltigen Landwirtschaft leisten. Die Erhaltung der Artenvielfalt darf nicht durch die Gentechnologie gefährdet werden.

5. Offen für Innovationen
Die schweizerische Saatgutbranche lebt von der Qualität und von Innovationen. Um konkurrenzfähig zu bleiben wurde bisher der technische Fortschritt immer genutzt. Auch in Zukunft wird die Saatgutbranche für Innovationen und Fortschritt offen bleiben.

6. Sicherheit hat oberste Priorität
Die Sicherheit muss auf allen Stufen (Labor, Gewächshaus, kontrollierte Kleinparzelle, Freiland) umfassend und neu geprüft werden. Die Bewilligungskriterien für die Zulassung von gentechnisch veränderten Produkten müssen streng sein, dürfen aber die Gentechnologie nicht unbegründet verhindern.

7. Marktkonformes Verhalten
Solange ein bedeutender Markt für GVO-freie Sorten besteht, wird die Saatgutbranche solches Saatgut anbieten. Die Saatgutbranche wird wesentliche Veränderungen auf der Nachfrageseite rasch berücksichtigen.

8. Anbau von GVO-Sorten
Der Anbau von GVO-Sorten könnte für die Saatgutbranche in Frage kommen, wenn diese Sorten in der Schweiz zugelassen sind, Vermarktungschancen haben und sie im Vergleich zu konventionell gezüchteten Sorten klare Vorteile im Anbau oder in der Verarbeitung oder für die Konsumenten aufzeigen.

Genetisch veränderter Weizen
Schweizerische Saatgutbranche
Alle Chance nutzen


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