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 |  |  |  | Ökologen mahnen Umweltgruppen |  |  |  |  |
Nicht die ökologischen Vorteile der grünen Gentechnik vernachlässigen
In früheren Zeiten haben Umweltverbände (Greenpeace, BUND, Öko-Institut Freiburg e.V.) häufiger begründete, wissenschaftlich nachvollziehbare Aktionen gegen Umweltbedrohungen wie Regenwaldzerstörung und Giftmüllexport durchgeführt. Doch was heute im Bereich Gentechnik-Kampagne abläuft, entbehrt fundierten wissenschaftlich-ökologischen Erkenntnissen. Zweifellos hat jede Technologie ihre Risiken, aber man kann nicht positive Umwelt-Effekte wie verringerten Pestizideinsatz oder gesündere Nahrungsmittel ignorieren.
Nicht jede transgene Pflanze ist automatisch eine Gefahr: Der Lehrstuhl für Ökologie, Ökotoxikologie und Ökochemie der Technischen Hochschule Aachen (RWTH) führt seit 1993 Freilandversuche mit Zuckerrüben durch, die eine gentechnisch veränderte Virus-, Herbizid- und Antibiotika-Resistenz haben. Zusammen mit anderen Kollegen von der Biologischen Bundesanstalt Braunschweig und der Universität Oldenburg konnte gezeigt werden, dass von diesen Gen-Rüben selbst nach einem Gentransfer auf verwandte Wildpflanzen (1) keine besonderen Gefahren für Mensch und Umwelt ausgehen (2).
Bei Kampagnen von Umweltgruppen z.B. gegen den sogenannten Bt-Mais werden bewusst die positiven Auswirkungen verschwiegen. Vom ökologischen Standpunkt aus stellt der gentechnisch veränderte Bt-Mais eine ideale Lösung gegenüber der traditionellen Schädlingsbekämpfung dar, weil er biologische Prinzipien mit moderner Landwirtschaft verknüpft (3). Ein seit Jahrzehnten erfolgreich im Öko-Landbau eingesetztes Bakterien-Toxin wird durch erfolgreichen Gentransfer von der Maispflanze selber produziert und erspart den Einsatz von chemischen Insektiziden. Ergebnis: Produkte aus Bt-Mais können unter umständen gesünder und umweltfreundlicher hergestellt werden als herkömmliche Produkte. So konnten amerikanische Kollegen jüngst zeigen, dass der Bt-Mais wesentlich geringere Mengen an hoch krebserregenden Giftstoffen von Schimmelpilzen (sogenannten Mykotoxine) enthalten kann als konventioneller Mais (4). Auch der Einsatz von Pestiziden konnte in vielen Fällen gesenkt werden (5). Hier kann noch eine ganze Menge verbessert werden, und Ökologen werden diese Entwicklung der Gentechnik kritisch begleiten.
Leider stellen die Umweltverbände wie Greenpeace, BUND, Öko-Institut Freiburg e.V. systematisch immer nur die "potentiell schlechten" Seiten heraus und stützen sich dabei auf unzureichende Gutachten. Das Muster ist immer gleich: Natürliche Phänomene wie Gentransfer oder Pollenflug zwischen Organismen werden als besonderes Ereignis für transgene Pflanzen herausgestellt, und pauschal in Verbindung zu Allergieproblemen und Antibiotika-Resistenzen gebracht. Oder einzelne Laborergebnisse werden unreflektiert auf Freilandbedingungen übertragen. Wissenschaftliche Fakten, die nicht in das Bild der Horrorgeschichten passen und praktische Anbauerfahrungen werden ignoriert (wie z.B. beim Monarch-Falter), damit auch weiterhin emotional besetzte Bilder und Schlagworte in die Medien getragen werden können (3). In Großbritannien attackieren Umweltgruppen die Sicherheitsforschungsprojekte von Ökologen (6,7,8). Es fehlt hier leider aus prinzipiellen und/oder weltanschaulichen Gründen an der Fairness gegenüber hoffnungsvollen technischen Neuentwicklungen im Umweltbereich. Die ökologische Wissenschaft kann der offensichtlich politisch motivierten Anti-Gentechnik-Kampagne nicht tatenlos zusehen. Wir müssen auf die Chancen einer verantwortungsvollen Nutzung der Gentechnik hinweisen und bitten deshalb Kollegen, diesen Brief an andere Wissenschaftler und öffentliche Entscheidungsträger weiterzuleiten (bitte mit Kopie an: bartsch@rwth-aachen.de).
Information:
(1) http://www.dainet.de/genres/infos/wild_beet/beet_populations.htm
(2) http://www.rwth-Aachen.de/bio5/Ww/AG-Bart-Begl.html
(3) http://www.rwth-Aachen.de/bio5/Ww/AG-Bart-Maisz.html
(4) http://www.scisoc.org/feature/btcorn/top.html
(5) http://www.econ.ag.gov/whatsnew/issues/gmo/
(6) http://www.environment.detr.gov.uk/fse/index.htm
(7) http://www.netlink.de/gen/Zeitung/2000/000310.html
(8) http://www.rage.org.nz/gm-police-to-guard-crops.html
Priv. Doz. Dr. Detlef Bartsch
Prof. Dr. Ingolf Schuphan
Lehrstuhl für Ökologie, Ökotoxikologie und Ökochemie
RWTH Aachen
Worringerweg 1
52056 Aachen
Tel. 0241 806676
Fax 0241 8888182
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