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2002-07-03 00:00:00
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Monarchfalter mit guten Aussichten

Aktuell: Point09 September 2001

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Gefahr durch Pollen transgener Pflanzen offenbar überschätzt / Wachsende Population

Der Monarchfalter hat in der grünen Gentechnik für neue Aufregung gesorgt. Insektenforscher der amerikanischen Iowa State University in Ames haben Raupen dieses Schmetterlings im Labor Blattstücke fressen lassen, auf denen sich im Feldrain Pollen von gentechnisch verändertem Mais, sogenanntem Bt-Mais, niedergeschlagen hatte. Mehrere Tiere verendeten innerhalb von zwei Tagen. Dagegen traten bei Larven, die Blätter mit Pollen von unverändertem Mais beziehungsweise Blätter ohne Pollen frassen, kaum Verluste auf. Die Forscher Laure Hansen und John Obrycky ziehen aus ihren Beobachtungen den Schluss, dass der Anbau von Bt haltigem transgenen Mais dem Monarchfalter erheblich schadet.

Nach Ansicht zahlreicher anderer Wissschenschaftler gehen Hansen und Obrycki mit ihrer Folgerung weit über das hinaus, was die Daten zulassen. Die beiden Autoren haben in ihren Versuchen jeweils nur 3 bis 16 Tiere verwendet. Entsprechend schwach ist die Grundlage für ihre Aussage, jede fünfte Raupe sei nach dem Verzehr von Blättern mit transgenen Pollen verendet. Ausserdem suggerieren sie, sie hätten Versuche auf dem Feld vorgenommen. Sie haben indessen lediglich Blumentöpfe mit Seidenpflanzen, der Lieblingskost der Monarchraupen, an den Rand verschiedener Maisfelder gestellt, deren Blätter dann aber im Labor verfüttert. Die Kritiker bemängeln, dass die Raupen gezwungen waren, pollenhaltige Blätter zu fressen. Beobachtungen anderer Entomologen der Iowa State University sowie des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums hatten jedoch ergeben, dass Monarchfalter Blätter ohne Pollen bevorzugen, wenn sie die Wahl haben. Ausserdem war die Zahl der gefütterten Raupen viel zu klein, als dass das Experiment aussagekräftige Daten liefern hätte können.

Mehrere andere Hinweise, die zahlreiche Entomologen, Ökologen und weitere Wissenschaftler im vergangenen Jahr auf einer Tagung in Chicago diskutiert hatten, sprechen dafür, dass der Bt-Mais für den Monarchfalter keine besondere Gefahr darstellt. Die Seidenpflanze, die der Monarchfalter für seine Entwicklung von der Raupe zum Schmetterling benötigt, ist im Maisfeld, wo der Pollenflug intensiv ist, selten. Sie kommt vor allem an den Strassenrändern vor. In den Feldern wird das "Unkraut" von den Landwirten meist vernichtet, weil es den Ernteertrag mindert. Maispollen fliegen zudem nicht sehr weit. Das haben zahlreiche Wissenschaftler, etwa der Universitäten von Stanford, Guelph, Iowa und Maryland, übereinstimmend festgestellt. Meist sind schon nach einem Meter Entfernung von einem Maisfeld kaum noch Pollen nachzuweisen, nur einzelne fliegen fünf Meter und weiter. Die Konzentrationen an Bt-Pollen sind in der natürlichen Umgebung von Seidenpflanzen daher in aller Regel viel geringer als bei den Versuchen im Labor. Hansen und Obrycki hatten die nachteilige Wirkung auf die Raupen ausserdem nur beim Verfüttern von Blättern mit Bt-Pollen einer Bt-Mais-Sorte mit besonders hohem Toxingehalt beobachtet. Die als "event 176" bezeichnete Sorte der Firma Novartis Seeds wird aber kaum noch angebaut.

Die Untersuchungen mehrerer Forschergruppen haben ausserdem ergeben, dass sich Pollenflug und Raupenentwicklung zeitlich kaum überlappen. So haben unter anderem Biologen der University of Nebraska beobachtet, dass der Pollenflug im amerikanischen Bundesstaat Nebraska fast vollständig (zu 95 Porzent) beendet war, als die ersten Eier des Monarchfalters auf Seidenpflanzen erschienen. Auch Forscher der University of Maryland fanden, dass der Pollenflug bereits vorüber war, als die ersten Raupen an den Blättern der Seidenpflanzen zu fressen begannen.

Weil von Bt-Mais für Mensch und Natur offenbar praktisch keine Gefahr ausgeht, hatte die amerikanische Umweltbehörde Epa (Environmental Protection Agency) seinerzeit dem Anbau zugestimmt. Angesichts der vorliegenden Forschungsergebnisse hatte die Umweltorganisation Greenpeace, die zunächst gerichtlich gegen die Zulassung vorgehen wollte, ihre Klage zurückgezogen. Nach dem Stand der Dinge haben die Natürschützer sogar allen Anlass zur Freude. Denn die Population des orangefarbenen Lieblings der Amerikaner hat nach den Beobachtungen von Monarch Watch, einer Organisation, die Veränderung in der Verbreitung des Schmetterlings in Nordamerika dokumentiert, in den verganenen Jahren stetig zugenommen - obwohl sich gleichzeitig der Anbau von Bt-Mais ausgedehnt hat. Die Gefahr, dass ein Monarchfalter durch den Verzehr von Bt-Pollen zugrunde geht, dürfte nach den bisherigen Erfahrungen äusserst gering sein. Viel grösser dürfte für den Schmetterling das Risiko sein, durch konventionelle Insektizide vergiftet oder an der Winschutzscheibe eines Autos zerschmettert zu werden.

Dennoch ist man sich einig, dass die Situation auf dem Feld noch weiter zu beobachten ist. Mehrere Saatguthersteller hatten daher in Chicago beschlossen, die komplexen Zusammenhänge noch intensiver zu erkunden. Entscheidend wird dabei sein, dass realitätsnahe Feldfoschung mit hohem wissenschaftlichen Anspruch betrieben wird und dass nicht dilettantische Laborversuche wie die von Hansen und Obrycki sowie - im vergangenen Jahr - die von John Losey die Öffentlichkeit verwirren.

Barbara Hobom

© 2000 FAZ

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