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Gentransfer von Kultur- auf Wildraps
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Dänische Forscher wiesen 1999 nach, dass Rapsgene auf Wildpflanzen überspringen können. Dies beunruhigte die Fachwelt, denn, so wird argumentiert, wenn Herbizidtoleranzgene von Kulturpflanzen auf wilde Unkräuter übertragen werden, so kann ein Superunkraut entstehen.
Dem angesprochenen Gentransfer liegt folgendes wissenschaftliche Experiment zugrunde: Dänische Wissenschafter fügten ein Gen in Ölrapspflanzen ein (Brassica napus). Pollen dieser transgenen Ölrapspflanzen bestäubten die natürliche Kulturform des Rapses (Brasica campestris). Aus den Bastarden zogen die Forscher fruchtbare Nachkommen auf und kreuzten diese mit der Wildform. Das in den Ölraps eingeführte Gen - ein Resistenzgen gegen das Herbizid Basta - wurde so innerhalb von zwei Generationen auf eine nahe verwandte Wildform übertragen. Ferner haben schottische Wissenschafter beobachtet, dass Rapspollen vom Wind über grössere Distanzen verfrachtet werden als bisher angenommen. Beide Teams empfehlen, diese Beobachtungen bei der Sicherheitsbeurteilung herbizidtoleranter Rapspflanzen zu berücksichtigen. Sie betonen aber auch, dass es sich bei der verwandten Wildpflanze um eine Pflanze handelt, die nur innerhalb des landwirtschaftlich gepflegten Rapsanbaus wächst. Was bedeutet, dass sich das neu eingefügte Gen nicht aus dem landwirtschaftlichen in das natürliche Ökosystem ausbreiten würde.
Würde man also herbizidtoleranten Raps auf dem Acker anpflanzen, wäre das denkbar schlimmste Szenario jenes, dass die Wildpflanze nach Aufnahme des Herbizidtoleranzgens gegen dieses eine Herbizid tolerant wäre. Das heisst, man würde dieses Herbizid im Rapsanbau nicht mehr wirksam zur Unkrautbekämpfung einsetzen können. Das wiederum hätte sehr wahrscheinlich zur Folge, dass das neue herbizidtolerante Ackerunkraut wieder verschwinden würde, da es seinen Konkurrenzvorteil nicht mehr ausspielen könnte.
Die Kreuzung zwischen Kulturpflanzen und nahe verwandten Wildpflanzen ist ein seit langem bekanntes Phänomen. Aus den Resultaten der durchgeführten Experimente den Schluss zu ziehen, der Anbau transgener Kulturpflanzen sei grundsätzlich gefährlich, ist eine undifferenzierte Betrachtungsweise. Basierend auf der Möglichkeit der Kreuzung mit Wildpflanzen, müssen Kulturpflanzen in verschiedene Kategorien unterteilt werden. Es gibt Kulturpflanzen (z.B. Mais, Tomaten, Bohnen, Kartoffeln), die hierzulande keine verwandten Wildpflanzen haben. Der Transfer eines neuen Gens zu Wildpflanzen kann deshalb bei solchen Kulturpflanzen ausgeschlossen werden. Im Gegensatz dazu ist bei Luzerne der Genaustausch mit verwandten Wildpflanzen häufig. Dazwischen liegen Pflanzen wie die Zuckerrübe oder der Raps. In letzteren Fällen müsste vor dem Anbau sorgfältig geprüft werden, ob das neue, aus der Kulturpflanze erworbene Gen der Wildpflanze einen Konkurrenzvorteil verschaffen könnte.
In der Schweiz war der Genfluss von Kultur- auf Wildarten ebenfalls Gegenstand eines Nationalfonds-Projektes zwischen 1993 und 1999 (englischsprachige Orignialfassung der Studie).