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Nichtzielorganismen:
Weniger Herbizide dank Gentech-Soja
Monarchfalter mit guten Aussichten
Der Schmetterlingseffekt
Verbesserte Artenvielfalt
Boden:
Bt im Boden
Vertikaler Gentransfer:
Kultur- auf Wildraps
Resistenzbildung:
Schädlinge breiten sich nicht aus

2002-07-03 00:00:00
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Der Schmetterlingseffekt in der Gentechdebatte

Pia Rufener Al Mazyad und Roland Bilang
März 2000

 

 

Der Flügelschlag eines Schmetterlings genügt laut Chaostheorie, um die Wetterentwicklung auf der anderen Seite des Globus zu beeinflussen.

Ende Mai 1999 erschien in der wissenschaftlichen Zeitschrift Nature ein Kurzartikel zu negativen Auswirkungen von Bt-Mais Pollen auf Monarch-Schmetterlinge. Dieser Artikel hat weltweit grosse Beachtung gefunden und Beunruhigung ausgelöst. Verschiedenste Kreise von Gentechgegnern sehen im Artikel einen Beweis für die Gefährlichkeit von transgenen Nutzpflanzen. Dabei werden die Daten oft falsch gewichtet und überinterpretiert. Die Aussagekraft der Daten muss relativiert werden, da die Laborresultate nicht eins zu eins auf das Feld in die Realität übertragen werden können. Maisfelder sind kein typischer Lebensraum für Monarch-Schmetterlinge. Zudem zeigen neuste Feldstudien, dass die Pollenmenge am Feldrand wohl meist zu gering ist, um Raupen zu töten. Obwohl 1999 in den USA beinahe 50% der Maisfläche mit Bt-Mais bebaut wurde, haben die Monarch-Schmetterlings-Populationen dank günstiger Witterung deutlich zugenommen.

Die Auswirkungen des Artikels sind weltweit feststellbar. Die Massenmedien nahmen anhand des Monarch-Schmetterlings das Thema "Sicherheit von transgenen Pflanzen" auf. Die Zulassungsbehörden der EU stoppten Zulassungsverfahren von transgenen Nutzpflanzen für Europa. Lebensmittelfirmen wollen auf gentechnisch veränderte Bestandteile verzichten. In der Folge werden nächstes Jahr wohl wieder vermehrt konventionelle Sorten angebaut. Die Aktien von Monsanto fielen um 10%.

Hier rollen wir die Debatte vom Sommer 1999 um den Monarch-Schmetterling und Bt-Mais nochmals auf.

 

Der Monarch

  • Ordnung: Lepidoptera
  • Familie: Danaidae
  • Art: Danaus plexippus

Der Monarch-Schmetterling ist in den U.S.A. äusserst populär und beliebt bei Kindern wie Erwachsenen. Er ist "das Bambi der Insekten". Raupe wie Schmetterling sind äusserst attraktiv gefärbt. Den Sommer über ist der Monarch-Schmetterling über die ganzen Vereinigten Staaten verbreitet mit Schwerpunkt im Mittleren Westen. Nach einer spektakulären Wanderung überwintert die Herbstgeneration in Mexiko, von wo Nachkommen im Frühling wieder nach Norden aufbrechen. Die Raupen sind auf verschiedene Arten Asclepias (milkweed, Seidenpflanze) spezialisiert. Der Monarch-Schmetterling gilt als Nutzinsekt, da er sich vom hartnäckigen Unkraut milkweed ernährt. Er ist in den U.S.A. häufig und weit verbreitet von Mexiko bis in den Süden von Kanada. Er ist weder gefährdet noch bedroht. In Europa kommt er nicht vor. Selten wurden "verirrte" Falter beobachtet, die sich jedoch hier nicht fortpflanzen konnten.

siehe auch folgende links:
Alles zum Monarch-Schmetterling für interessierte Laien
www.monarchwatch.org

 

Futterpflanze milkweed

Monarch-Raupen ernähren sich von verschiedenen Arten der Gattung Asclepias aus der Familie der Asclepiadaceae (Seidenpflanzengewächse).

dt. Seidenpflanze, engl. milkweed

Neben Asclepias curassavica, die in Loseys Studie verwendet wurde, ernährt sich der Monarch-Schmetterling vor allem von A. syriaca (common milkweed), einem weitverbreiteten Unkraut und diversen anderen Arten dieser Gattung. Wie der Name milkweed verrät, handelt es sich bei den Futterpflanzen des Monarch-Schmetterlings um z.T. hartnäckige Unkräuter, die in Agrarsystemen aktiv durch Herbizide bekämpft werden. Den englischen Namen haben sie ausserdem von ihrem latex-artigen Michsaft erhalten, der deutsche Name Seidenpflanzen spielt auf die seidigen langen Flughaare der Samen an, mit denen sich die Pflanze effizient verbreitet, was für ein Unkraut typisch ist. Die Gattung Asclepias bildet mehrjährige Stauden. Verbreitet ist sie in Nord- und Mittelamerika. Ihr Lebensraum sind Wiesen, Weiden, Wegränder, Bachränder. A. curassavica ist wegen ihren attraktiven rot-gelben Blüten und ihrer Robustheit bei uns als Kübelpflanze zu finden, A. syriaca, auch Papageienpflanze genannt wegen ihren schnabelartigen Fruchtständen und als Schmetterlingsweide manchmal als Gartenpflanze.

Bilder und weitere Details siehe:
ron.nhm.ukans.edu/~monarch/milkweed/index.htm
ron.nhm.ukans.edu/~monarch/milkweed/guide/

 

Zusammenfassung des Losey-Artikels

Negative impact of transgenic pollen on monarch butterflies

John E. Losey, S. Rayor, Maureen E. Carter und Margaret E. Smith von der Cornell University, Ithaca, NY.
Nature (399, 214, May 20), correspondence section.

Methoden:

  • Laborstudie
  • Befeuchtete milkweed-Blätter (Asclepias curassavica) werden von Hand mit einem Spachtel mit Pollen bepudert. Die Pollenmenge wird dabei nach Augenmass abgeschätzt, damit sie der Pollenmenge auf milkweed entspricht, wie man sie in Maisfeldern findet.
  • Behandlung: Bt-Pollen, normaler Pollen, kein Pollen
  • 5 drei Tage alte Larven (2. Häutung) einer gefangenen Kolonie des Monarch-Schmetterlings werden auf jedes Blatt gesetzt.
  • Jede Behandlung wird 5 mal wiederholt.
  • Festgehalten werden jeweils die gefressene Blattmenge, das Gewicht der Larven sowie das Überleben der Larven.
  • Dauer der Behandlung: 4 Tage

Resultate:

  • Die Überlebensrate nach 4 Tagen war auf Blättern mit Bt-Pollen signifikant kleiner: Sie betrug bei der Gruppe mit Bt-Pollen 56%, bei normalem Pollen 100% und bei Blättern ohne Pollen 100%.
  • Die gefressene Blattmenge (gefressener Anteil am Blatt) war bei allen Blättern, die mit Pollen bepudert wurden, signifikant kleiner als bei Blättern ohne Pollen: Bei Blättern mit Bt-Pollen betrug sie 0.57, bei Blättern mit normalem Pollen 1.12, und bei Blättern ohne Pollen 1.61.
  • Die Wachstumsrate (gemessen als Gewicht der überlebenden Larven) der Raupen, die auf Blättern mit Bt-Pollen lebten, war geringer (0.16) als jene der Raupen auf Blättern ohne Pollen (0.38). Über das Wachstum der Raupen auf Blättern mit normalem Pollen liegen keine Angaben vor.

 

Kritik an Losey's Artikel

Zusammenfassung der wissenschaftlichen Kritik an Losey's Artikel

Die Autoren der Losey-Studie interpretieren ihre eigenen Ergebnisse mit Vorsicht. Sie betonen, dass weitere Experimente und eine sorgfältige Risikoabschätzung im Vergleich mit anderen Pestiziden notwendig sind. Die im Labor produzierten Daten müssen nun unter Feldbedingungen überprüft werden. Dennoch wird in dieser Studie suggeriert, dass Bt-Mais nicht sicher sei.

Zahlreiche Wissenschafter haben die Studie von Losey kritisch betrachtet. Die nachfolgendenArgumente wurden aufgrund der unten angegebenen Publikationen zusammengestellt. Eine Übersicht über die bisher durchgeführten Arbeiten über den Einfluss von Bt-Mais auf Nicht-Ziel Organismen im Allgemeinen findet sich hier in englischer Sprache.

Kritik am Aufbau des Experimentes

Pollenmenge - Die Pollenmenge, mit der die Blätter bepudert wurden, wurde nicht quantitativ bestimmt. Mit einem Spachtel wurde von Hand Pollen auf die Blätter aufgetragen, bis sie nach Augenmass Blättern in einem Maisfeld ähnlich sahen. Somit ist ein quantitativer Vergleich der Empfindlichkeit von Monarchfaltern mit Resultaten aus anderen Studien über andere Schmetterlingsarten unmöglich.

Genetischer Hintergrund - Losey verwendete in seiner Studie Pollen von einer von der Bt11-Linie abstammenden Sorte von Novartis, die das Bt-Protein "Cry1A(b)" enthält. Der zur Kontrolle verwendete Nicht-Bt-Pollen stammt hingegen von einer anderen Sorte, "die zufällig einfach vorhanden war". Genetisch unterscheiden sich die verglichenen Pollen also beträchtlich. Andere Proteine hätten ebenfalls einen Einfluss auf die Resultate des Experiments haben können. Experimentell korrekt wäre es, den Effekt von Bt vor identischem genetischem Hintergrund zu testen.

Zwangsverfütterung - Das Experiment beschreibt eine Fütterung ohne Wahlmöglichkeit. In der Versuchsanordnung bleibt den Raupen keine Wahl. Ihnen werden ausschliesslich ein Typ präparierter Blätter angeboten, sie müssen von den mit Pollen überpuderten Blättern fressen. Unter natürlichen Bedingungen sind die Blätter einer Wirtspflanze unterschiedlich mit Pollen überpudert. Die Raupen können Blätter mit wenig Pollen wählen.

Dauer des Experiments - Es wurden junge Larven in der sensibelsten Entwicklungsphase untersucht. Nach den verschiedenen Behandlungen wurden die Larven nicht weiter durch ihre Entwicklung bis zum Schmetterling beobachtet. Was würde mit den Überlebenden geschehen, wenn sie in der Folge von Blättern ohne Pollen fressen würden, was der Situation im Feld entspricht, wenn der Mais verblüht ist ? Holen die Raupen im Wachstum auf ? Legen sie dieselbe Menge Eier ? Leben sie gleich lang ?

Kritik an der Aussagekraft der Resultate

Maisfelder sind kein typischer Lebensraum für Monarchfalter - Die Versuchsbedingungen von Losey beschreiben die eher fiktive Situation, in der ein Monarch-Weibchen seine Eier ausschliesslich auf milkweed Wirtspflanzen legt, die in einem dichten, gerade blühenden Maisfeld wachsen und deren Blätter dicht mit Maispollen überpudert sind. Dabei sind folgende wichtige Tatsachen nicht berücksichtigt: Maisfelder sind kein typischer Lebensraum von Monarchfaltern. Auf den Feldern werden Unkräuter, u.a. auch milkweed, mit Herbiziden unterdrückt. Monarch-Weibchen legen ihre Eier mit Vorliebe auf kleine, freistehende milkweed Pflanzen in Hecken, Gräben und Weiden.

Der schwere Maispollen wird durch den Wind nicht weit transportiert - Fast die gesamte Pollenmenge fällt innerhalb 5 m zu Boden. Wirtspflanzen, die gerade am Feldrand stehen, werden demnach am meisten überpudert. Raupen auf solchen Pflanzen würden am meisten durch den Pollen beeinflusst. Wenige Meter vom Feld entfernt fallen nur vereinzelte Pollenkörner zu Boden. Die Aussage im Artikel "Maispollen wird durch den Wind über 60-200 m verbreitet" berücksichtigt die Pollenmengen nicht. Einzelne weit transportierte Pollenkörner töten keine Raupen.

Monarch-Larve haben wenig Gelegenheit, Maispollen zu fressen - Eine Maispflanze blüht während 5-10 Tagen. In dieser Zeit wird Pollen z.B. auf milkweed abgelagert. Nur in dieser kurzen Zeitspanne haben Frassinsekten wie Monarch-Larven Kontakt mit dem Bt-Toxin im Pollen. Allgemein ist bekannt, dass besonders junge Raupen empfindlich auf Bt sind, ältere würden ein paar Pollenmahlzeiten wohl überleben. Da im Maisanbaugebiet im Sommer regelmässig Regen fällt, wird Pollen nach kurzer Zeit vom ersten Regen von den Blättern abgewaschen. Ausser während dieser wenigen Tagen können sich Monarch-Larven auch mitten in einem Feld Bt-Mais ungestört entwickeln.

Ob ein Schmetterlingsweibchen seine Eier überhaupt auf überpuderte Blätter ablegen würde, ist nicht erwiesen. Aus Studien zum Wanderverhalten des Monarchfalter ist bekannt, wann wo die Larvenentwicklung stattfindet (Details siehe Brower 1996). Im corn belt, dem Mittleren Westen (Hauptanbaugebiet von Mais), dem Hauptverbreitungsgebiet des Monarchfalters, sind Monarch-Raupen, die an milkweed fressen, meistens im Juni anzutreffen, also vor der Maisblüte Mitte Juli/Anfangs August. Dieser Umstand wird von Losey sehr vereinfacht dargestellt. Er suggeriert damit eine massive Gefährdung der Schmetterlinge durch Bt-Mais: "Maispflanzen schütten ihren Pollen von Juni bis Mitte August aus, also in der Periode in der Monarch-Raupen Blätter fressen".

Es fehlt der Vergleich mit der Insektizid-Dusche
Wird in dieser Studie schon mit einer extrem hohen Bt-Belastung (grosse Pollenmenge) gearbeitet, wie sie in der Natur wohl sehr selten vorkommt, sollte als Kontrolle aber auch die Situation "konventionelle Kontrolle des Maiszünslers" untersucht werden. Würde man eine vergleichbare Studie zu den Auswirkungen konventioneller Pflanzenschutzmittel auf Monarch-Raupen durchführen, müsste man die Raupen mit dem zu untersuchenden Insektizid kräftig duschen, wie dies in Wirklichkeit in einem Maisfeld geschieht. Die Überlebensrate der Raupen wäre wohl äusserst gering. In einem Feld mit Bt-Mais geht es den Raupen bedeutend besser.

Die tatsächliche Gefahren für den Monarchfalter
Verglichen mit anderen Gefahren ist die Gefährdung der Monarchfalter durch Bt-Pollen gering, auch wenn Losey behauptet, dass "diese Resultate möglicherweise erhebliche Auswirkungen auf die Erhaltung der Monarchfalter haben kann". Wohl die grösste Bedrohung für den Monarchfalter ist die Lebensraumzerstörung in seinem Winterquartier in Mexiko, wo auf einer kleinen Fläche von 30 x 60 Meilen alle Monarchfalter überwintern. Ausser einer kleinen geschützten Teilfläche in diesem Gebiet wird der Lebensraum durch Holzschlag beeinträchtigt. Weitere ernsthafte Bedrohungen für die Schmetterlinge ist die Bekämpfung der als Unkraut geltenden Futterpflanze milkweed. In letzter Zeit wird milkweed an Standorten ausserhalb der Felder jedoch gefördert, um so zusätzlichen Lebensraum für Monarchfalter zu schaffen.

 

Neue Feldstudie in Kanada zeigt:

Monarch-Schmetterlinge sind nicht gefährdet durch Pollen von Bt-Mais

Pia Rufener Al Mazyad

Aufgrund der Veröffentlichung einer Laborstudie der Gruppe Losey im Nature (Mai 1999) wurden diesen Sommer mehrere Feldstudien durchgeführt. Eine davon wollen wir hier kurz vorstellen.
Mögliche negative Auswirkungen von Bt-Maispollen auf die Raupen des Monarch-Schmetterlings werden in einer zwei Jahre dauernden Studie in Kanada im Feld untersucht. Die vorläufigen Ergebnisse des ersten Sommers liegen nun vor. Sie zeigen, dass Monarch-Schmetterlinge wegen Bt-Pollen nicht verschwinden werden. Das Risiko für frisch geschlüpfte Raupen, durch das Toxin von Bt-Maispollen geschädigt zu werden, ist sehr gering. Es braucht beträchtliche Pollenmengen, dass Raupen sterben. Nur innerhalb von Maisfeldern und unmittelbar am Feldrand finden sich so grosse Pollenmengen auf Milkweed, der Futterpflanze der Raupen. Zudem wird die untersuchte Maissorte, die eine grosse Konzentration Bt-Toxin im Pollen hat, in Nordamerika selten angebaut.

Das Projekt von Dr. Mark Sears, Professor an der University of Guelph in Ontario, Kanada, wird von der Kanadischen Regierung unterstützt. In Ontario und Quebec, dem Hauptanbaugebiet von Mais in Kanada, werden Feldstudien durchgeführt. Denn Ergebnisse aus dem intensivst bebauten Cornbelt der U.S.A. lassen sich nicht auf die Verhältnisse in Kanada übertragen. Hier sind die Felder kleinflächiger, die Kulturen vielfältiger. Zwischen den Feldern gibt es mehr naturnahe Ausgleichsflächen. Deshalb werden Auswirkungen auf Monarch-Schmetterlinge in Kanada wohl geringer sein als in den U.S.A. Die hier vorgestellten Untersuchungen knüpfen an eine Feldstudie der Iowa State University an.

Im ersten Teil des Projekts wurde untersucht, wie weit Pollen aus einem Feld Bt-Mais verfrachtet wird. Während zwei Wochen Mitte Juli blüht der Mais. Der allergrösste Anteil Pollen wird innerhalb des Feldes oder 1 Meter vom Feldrand abgelagert.
Weiter bestimmten die Forscher wie viele Pollenkörner auf Milkweed-Blättern natürlich ablagert wird und wie viele Bt-Pollenkörner auf einem Milkweed-Blatt abgelagert sein müssen, um eine Monarch-Raupe zu töten. Als die Forscher draussen Milkweed-Blätter pflückten und die darauf abgelagerten Pollenkörner zählten, kamen sie bei Blättern aus dem Innern eines Maisfeldes auf durchschnittlich 78 Körner Bt-Pollen pro cm2(1 bis 380 Körner wurden gefunden). Milkweed-Blätter ca. 90 cm ausserhalb des Feldes wiesen nur 26 Körner pro cm2 auf. Fünf Meter vom Feld fanden sich durchschnittlich nur 1.4 Körner pro cm2. Laborexperimente zeigten, dass bei einer Konzentration von 500-700 Pollenkörnern pro cm2 die jüngsten und empfindlichsten Monarch-Raupen zu sterben begannen. Dazu wurden Milkweed-Blätter mit Bt-Pollen der Sorte Event 176 bepudert und während zwei Tagen jungen Raupen angeboten. Bei einer tieferen Konzentration Pollen (133 Körner pro cm2) war die Sterblichkeit gleich wie bei der Kontrollgruppe, der Nicht-Bt-Pollen verfüttert wurde. Da die Milkweed-Blätter, die draussen im Feld gepflückt wurden, meist weit weniger Pollen aufwiesen, sehen die Forscher das Risiko für Monarch-Raupen, an Bt-Pollen zu sterben, für sehr gering an.

In Maisfeldern wird das hartnäckige Unkraut Milkweed häufig durch Herbizide bekämpft. Schmetterlingsmütter legen ihre Eier auch sonst eher auf freistehende Milkweed-Pflanzen ab als auf solche, die in einem hohen Maisfeld versteckt sind. Das verringert das Risiko weiter.
Die untersuchte Maissorte (Event 176 von Novartis) besitzt Pollen mit einer besonders hohen Konzentration des Bt-Toxins. Sie wird in Nordamerika jedoch kaum angebaut, nur auf 2% der gesamten Fläche von 34 Mio. ha Bt-Mais. Um 70% der Fläche wird mit MON810 von Pioneer bebaut, dessen Pollen 30-50% weniger toxisch ist als der von Event 176. Dies verringert das Risiko für Monarch-Raupen beträchtlich.

 

Kanadische Feldstudien

Mögliche negative Auswirkungen von Bt-Maispollen auf die Raupen des Monarch-Schmetterlings werden in einer zwei Jahre (1999/2000) dauernden Studie in Kanada im Feld untersucht. Die Ergebnisse des ersten Sommers liegen vor. Sie zeigen, dass Monarch-Schmetterlinge wegen Bt-Pollen nicht verschwinden werden. Das Risiko für frisch geschlüpfte Raupen, durch das Toxin von Bt-Maispollen geschädigt zu werden, ist sehr gering. Es braucht beträchtliche Pollenmengen, dass Raupen sterben. Nur innerhalb von Maisfeldern und unmittelbar am Feldrand finden sich so grosse Pollenmengen auf Milkweed, der Futterpflanze der Raupen. Zudem wird die untersuchte Maissorte, die eine grosse Konzentration Bt-Toxin im Pollen hat, in Nordamerika selten angebaut.

Das Projekt von Dr. Mark Sears, Professor an der University of Guelph in Ontario, Kanada, wird von der Kanadischen Regierung unterstützt. In Ontario und Quebec, dem Hauptanbaugebiet von Mais in Kanada, werden Feldstudien durchgeführt. Denn Ergebnisse aus dem intensivst bebauten Cornbelt der U.S.A. lassen sich nicht auf die Verhältnisse in Kanada übertragen. Hier sind die Felder kleinflächiger, die Kulturen vielfältiger. Zwischen den Feldern gibt es mehr naturnahe Ausgleichsflächen. Deshalb werden Auswirkungen auf Monarch-Schmetterlinge in Kanada wohl geringer sein als in den U.S.A. Die hier vorgestellten Untersuchungen knüpfen an eine Feldstudie der Iowa State University an.

Im ersten Teil des Projekts wurde untersucht, wie weit Pollen aus einem Feld Bt-Mais verfrachtet wird. Während zwei Wochen Mitte Juli blüht der Mais. Der allergrösste Anteil Pollen wird innerhalb des Feldes oder 1 Meter vom Feldrand abgelagert.
Weiter bestimmten die Forscher wie viele Pollenkörner auf Milkweed-Blättern natürlich ablagert wird und wie viele Bt-Pollenkörner auf einem Milkweed-Blatt abgelagert sein müssen, um eine Monarch-Raupe zu töten. Als die Forscher draussen Milkweed-Blätter pflückten und die darauf abgelagerten Pollenkörner zählten, kamen sie bei Blättern aus dem Innern eines Maisfeldes auf durchschnittlich 78 Körner Bt-Pollen pro cm2(1 bis 380 Körner wurden gefunden). Milkweed-Blätter ca. 90 cm ausserhalb des Feldes wiesen nur 26 Körner pro cm2 auf. Fünf Meter vom Feld fanden sich durchschnittlich nur 1.4 Körner pro cm2. Laborexperimente zeigten, dass bei einer Konzentration von 500-700 Pollenkörnern pro cm2 die jüngsten und empfindlichsten Monarch-Raupen zu sterben begannen. Dazu wurden Milkweed-Blätter mit Bt-Pollen der Sorte Event 176 bepudert und während zwei Tagen jungen Raupen angeboten. Bei einer tieferen Konzentration Pollen (133 Körner pro cm2) war die Sterblichkeit gleich wie bei der Kontrollgruppe, der Nicht-Bt-Pollen verfüttert wurde. Da die Milkweed-Blätter, die draussen im Feld gepflückt wurden, meist weit weniger Pollen aufwiesen, sehen die Forscher das Risiko für Monarch-Raupen, an Bt-Pollen zu sterben, für sehr gering an.

In Maisfeldern wird das hartnäckige Unkraut Milkweed häufig durch Herbizide bekämpft. Schmetterlingsmütter legen ihre Eier auch sonst eher auf freistehende Milkweed-Pflanzen ab als auf solche, die in einem hohen Maisfeld versteckt sind. Das verringert das Risiko weiter.
Die untersuchte Maissorte (Event 176 von Novartis) besitzt Pollen mit einer besonders hohen Konzentration des Bt-Toxins. Sie wird in Nordamerika jedoch kaum angebaut, nur auf 2% der gesamten Fläche von 34 Mio. ha Bt-Mais. Um 70% der Fläche wird mit MON810 von Pioneer bebaut, dessen Pollen 30-50% weniger toxisch ist als der von Event 176. Dies verringert das Risiko für Monarch-Raupen beträchtlich.

 

Originaldokumente

Monarch butterfly orientation: Missing pieces of a magnificent puzzle. Brower L.P. 1996. J. Exp. Biol. 199, p. 93-103

Monarchs, Bt pollen, and hysteria. Mike Gray, Kevin Steffey
Pest Management and Crop Development, May 28, 1999

Information on the effect of pollen from Bt corn on Monarch butterflies. Chris DiFonzo, Field Crops Entomologist and Pat Bolin, Vegetable IPM Specialist, MSU, June 2 1999
http://www.biotech-info.net/msu_info.html

Monarchs and Bt corn: questions and answers. Marlin Rice, Extension entomologist, Dept. of entomology, Iowa State University, June 14, 1999
http://www.biotech-info.net/msu_info.html

Editorial: The Prince and the Butterfly
Nature Biotechnology 17, p. 615 (July 1999)

Monarch Bt-corn paper questioned
by John Hodgson
Nature Biotechnology, 17, p. 627 (July 1999)

Commentary: the potential impact of Dipel spraying on the Monarch butterfly overwintering phenomenon. Brower L.P. 1986. Atala 14, p. 17-19

Non-target effects of Bt corn pollen on the monarch butterfly (Lepidoptera; Danaidae)
by L Hansen and J. Obrycki, Iowa State University
http://www.biotech-info.net/msu_info.html

Bericht der Kanadischen Lebensmittelkontrollbehörde vom März 2000 (Preliminary Report on the Ecological Impact of BT Corn Pollen on the Monarch Butterfly in Ontario)

Pollenflug
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