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Viele Leute reagieren überempfindlich auf Pollen, Hausstaub oder Lebensmittel. Lebensmittelallergien sind relativ selten und treten bei 1-2% der Erwachsenen und 5% der Kinder auf. Allergien bei Kindern verschwinden oft in der Pubertät. Das menschliche Immunsystem erkennt Fremdkörper (Antigene) und setzt Abwehrstrategien in Gang. Bei Allergien werden an sich harmlose Proteine (die man Allergene nennt) vom Immunsystem als Feind identifiziert und bekämpft. Wenn der Körper zum ersten Mal auf eine grosse Konzentration Allergene trifft, produziert er Antikörper (Immunoglobuline der Klasse E: IgE) gegen diese Allergene, all dies ohne die geringsten Symptome. Bei einem späteren Kontakt reichen dann jedoch auch schon geringe Konzentrationen an Allergenen aus, um allergische Reaktionen auszulösen. Bei echten Lebensmittelallergien ist Immunoglobulin E an der Reaktion schuld Die prozentuale Verteilung verschiedener Lebensmittelallergene (in %):
IgE befindet sich in den Schleimhäuten (Mund, Nase, Augen, Magen-Darm Trakt, Atmungswege). Sie dienen u. a. der Abwehr gegen Parasiten. Sie sind mit den sogenannten Mastzellen verbunden, die bei allergischen Reaktionen eine Hauptrolle spielen. Die IgE haben Bindestellen für bestimmte Proteinbereiche (Epitope) des Allergens. Wenn das entsprechende Allergen auftaucht, wird es an diesen Bindestellen fixiert. In der Folge setzen die Mastzellen Histamin, Heparin und andere entzündungsfördernde Stoffe frei.
Symptome der Lebensmittelallergie: Nesselsucht: (45%) Juckreiz, Rötung und Quaddelbildung, tritt wenige Minuten (manchmal auch Stunden) nach Allergenkontakt auf. Kann an unterschiedlichen Körperstellen auftreten. Übelkeit, Erbrechen: (20%) Reaktionen im Magen-Darm-Bereich. Reicht von pelzigem Gefühl in den Schleimhäuten bis zum Erbrechen. Asthmatische Beschwerden: (25%) Ananphylaktischer Schock: (10%) Die seltenste, aber auch gefährlichste allergische Reaktion. Die Folgen sind: schneller Blutdruckabfall (durch Gefässerweiterung), massive Anschwellung der Schleimhäute und Verkrampfung der Hals- und Atemwegsmuskulatur. Die Situation ist lebensbedrohlich, wenn nicht sofort ein Adrenalin-Präparat verabreicht wird. Viele Lebensmittelallergiker reagieren auf unterschiedliche Allergene, darunter auch solche aus der Luft (Pollen). Bei diesen Patienten wird vermutet, dass der eigentliche Auslöser nicht das Lebensmittel selbst ist, sondern der Pollen, der in höherer Konzentration mit den Schleimhäuten in Kontakt kommt. In diesen Fällen spricht man von Kreuzreaktionen (Beispiel: die Birkenpollen-Apfel-Nuss-Allergie). Wie wird ein Protein zum Lebensmittel-Allergen? Es gibt etwa 100 bedeutende Allergen-Quellen in der Umwelt. Darunter sind auch Lebensmittel, die in Industrienationen für 90% der Lebensmittel-Allergien verantwortlich sind: Kuhmilch, Eier, Soja, Nüsse, Getreide, Gewürze, Obst, Krustentiere und Fisch. Es ist oftmals nur ein einziges Protein in einem Lebensmittel, das problematisch ist. Dank gentechnischer Verfahren konnten einige dieser Proteine identifiziert werden. Man hat bemerkt, dass viele Allergene gemeinsame Merkmale haben: Die Proteine sind im Verdauungstrakt stabil und können nicht abgebaut werden. Proteine, die abgebaut werden, können nicht allergen wirken, weil sie verschwinden, bevor das Immunsystem mit ihnen in Kontakt kommt. Das allergene Potenzial neuer Lebensmitteln kann abgeschätzt werden. Wenn ein Protein Merkmale eines bekannten Allergens aufweist, so besteht ein erhöhtes Risiko, dass empfindliche Personen darauf reagieren. Andernfalls liegt nach heutiger Erfahrung kein erhöhtes Risiko vor. Mehr Lebensmittel-Allergien durch neue Lebensmittel? "Erhöhtes Allergierisiko" lautet eines der häufigsten Argumente der Gentech-Kritiker im Lebensmittelbereich. Jedoch hat gerade die Gentechnologie in der Grundlageforschung entscheidend dazu beigetragen, Allergiemechanismen besser zu verstehen. Damit wurde auch die notwendige Basis für Allergie-Deklaration geschaffen. Bei konventioneller Pflanzenzüchtung werden durch Mutagenese und Kreuzung oft massive Erbgutveränderungen erzeugt. Bei der Gentechnik werden gezielt einzelne Gene (und somit einzelne Proteine) übertragen. Die Struktur und Eigenschaft des Proteins werden dabei nicht verändert.
Die Züchtung neuer Pflanzensorten zur Lebensmittelproduktion wird von einer umfangreichen Sicherheitsforschung begleitet. Das allergene Potenzial wird hierbei besonders erforscht. In den 90er Jahren sind international anerkannte Richtlinien zur Ermittlung des allergenen Potenzials erarbeitet worden. Bei keiner der bisher durch gentechnische Methoden entwickelten Nutzpflanzen wurden Proteine entdeckt, die mit typischen Allergenen übereinstimmen.
"Novel Food" (neue Nahrungsmittel) sind jedoch nicht nur GVO-Produkte, sondern generell alle Lebensmittel, die bis anhin nicht auf unserem Speiseplan zu finden waren. Dazu gehören exotische Speisen. Alle Lebensmittel, die neue Proteine enthalten, mit denen der Konsument vorher noch nicht in Verbindung war, bergen ein gewisses Allergierisiko. Würde man beispielsweise die neuseeländische Kiwi erst heute in Europa einführen, müsste auch sie gemäss der Novel Food-Zulassung zuerst auf ihr allergenes Potenzial geprüft werden.
Beispiel transgene Sojabohne
Gentechnische Methoden und Allergie Vor einigen Jahren hat man eine Sojabohne mit einem Gen aus der Paranuss entwickelt (Ziel war die Erhöhung des Gehaltes an schwefelhaltigen Aminosäuren). Paranüsse sind jedoch eine bekannte Allergenquelle. Bei Tests stellte man fest, dass das eingefügte Protein das (bis dahin unbekannte) Hauptallergen der Paranuss war. Die Entwicklung der Soja-Sorte wurde daraufhin eingestellt. Leider wird heute dieses Beispiel noch oft missbraucht, um Gentechnologie bei Lebensmitteln mit erhöhtem Allergierisiko zu verbinden. Man kann dank Gentechnologie aber auch versuchen, ein Allergen aus einem Nahrungsmittel zu entfernen. In Japan hat man es zum Beispiel geschafft, die Bildung eines der wichtigsten Allergene beim Reis um 99% zu reduzieren. Diagnose / Therapie von Allergien
Diagnose von Lebensmittelallergien können durch Haut-Provokationstests erfolgen. Sie sind aber oftmals eingeschränkt. Serologische Analysen, welche die Bindung zwischen körpereigenen IgE und verschiedenen Allergenen untersuchen, werden ebenfalls verwendet.
Weitere Informationen:
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