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2003-03-05 14:18:00
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Allergien

Viele Leute reagieren überempfindlich auf Pollen, Hausstaub oder Lebensmittel. Lebensmittelallergien sind relativ selten und treten bei 1-2% der Erwachsenen und 5% der Kinder auf. Allergien bei Kindern verschwinden oft in der Pubertät.

Das menschliche Immunsystem erkennt Fremdkörper (Antigene) und setzt Abwehrstrategien in Gang. Bei Allergien werden an sich harmlose Proteine (die man Allergene nennt) vom Immunsystem als Feind identifiziert und bekämpft. Wenn der Körper zum ersten Mal auf eine grosse Konzentration Allergene trifft, produziert er Antikörper (Immunoglobuline der Klasse E: IgE) gegen diese Allergene, all dies ohne die geringsten Symptome. Bei einem späteren Kontakt reichen dann jedoch auch schon geringe Konzentrationen an Allergenen aus, um allergische Reaktionen auszulösen.

Bei echten Lebensmittelallergien ist Immunoglobulin E an der Reaktion schuld

Die prozentuale Verteilung verschiedener Lebensmittelallergene (in %):
Gemüse, Salate, Obst43,8
Milch16,4
Hünereiweiss11,9
Fisch7,2
Gewürze5,7
Krebse5,2
Fleisch4,5
Nüsse, Samen2,5

IgE befindet sich in den Schleimhäuten (Mund, Nase, Augen, Magen-Darm Trakt, Atmungswege). Sie dienen u. a. der Abwehr gegen Parasiten. Sie sind mit den sogenannten Mastzellen verbunden, die bei allergischen Reaktionen eine Hauptrolle spielen. Die IgE haben Bindestellen für bestimmte Proteinbereiche (Epitope) des Allergens. Wenn das entsprechende Allergen auftaucht, wird es an diesen Bindestellen fixiert. In der Folge setzen die Mastzellen Histamin, Heparin und andere entzündungsfördernde Stoffe frei.

Symptome der Lebensmittelallergie:
Sie sind sehr unterschiedlich. Man kann sie in 4 Kategorien unterteilen:

Nesselsucht: (45%) Juckreiz, Rötung und Quaddelbildung, tritt wenige Minuten (manchmal auch Stunden) nach Allergenkontakt auf. Kann an unterschiedlichen Körperstellen auftreten.

Übelkeit, Erbrechen: (20%) Reaktionen im Magen-Darm-Bereich. Reicht von pelzigem Gefühl in den Schleimhäuten bis zum Erbrechen.

Asthmatische Beschwerden: (25%)

Ananphylaktischer Schock: (10%) Die seltenste, aber auch gefährlichste allergische Reaktion. Die Folgen sind: schneller Blutdruckabfall (durch Gefässerweiterung), massive Anschwellung der Schleimhäute und Verkrampfung der Hals- und Atemwegsmuskulatur. Die Situation ist lebensbedrohlich, wenn nicht sofort ein Adrenalin-Präparat verabreicht wird.

Viele Lebensmittelallergiker reagieren auf unterschiedliche Allergene, darunter auch solche aus der Luft (Pollen). Bei diesen Patienten wird vermutet, dass der eigentliche Auslöser nicht das Lebensmittel selbst ist, sondern der Pollen, der in höherer Konzentration mit den Schleimhäuten in Kontakt kommt. In diesen Fällen spricht man von Kreuzreaktionen (Beispiel: die Birkenpollen-Apfel-Nuss-Allergie).

Wie wird ein Protein zum Lebensmittel-Allergen?

Es gibt etwa 100 bedeutende Allergen-Quellen in der Umwelt. Darunter sind auch Lebensmittel, die in Industrienationen für 90% der Lebensmittel-Allergien verantwortlich sind: Kuhmilch, Eier, Soja, Nüsse, Getreide, Gewürze, Obst, Krustentiere und Fisch.

Es ist oftmals nur ein einziges Protein in einem Lebensmittel, das problematisch ist. Dank gentechnischer Verfahren konnten einige dieser Proteine identifiziert werden. Man hat bemerkt, dass viele Allergene gemeinsame Merkmale haben: Die Proteine sind im Verdauungstrakt stabil und können nicht abgebaut werden. Proteine, die abgebaut werden, können nicht allergen wirken, weil sie verschwinden, bevor das Immunsystem mit ihnen in Kontakt kommt.

Das allergene Potenzial neuer Lebensmitteln kann abgeschätzt werden. Wenn ein Protein Merkmale eines bekannten Allergens aufweist, so besteht ein erhöhtes Risiko, dass empfindliche Personen darauf reagieren. Andernfalls liegt nach heutiger Erfahrung kein erhöhtes Risiko vor.

Mehr Lebensmittel-Allergien durch neue Lebensmittel?

"Erhöhtes Allergierisiko" lautet eines der häufigsten Argumente der Gentech-Kritiker im Lebensmittelbereich. Jedoch hat gerade die Gentechnologie in der Grundlageforschung entscheidend dazu beigetragen, Allergiemechanismen besser zu verstehen. Damit wurde auch die notwendige Basis für Allergie-Deklaration geschaffen.

Bei konventioneller Pflanzenzüchtung werden durch Mutagenese und Kreuzung oft massive Erbgutveränderungen erzeugt. Bei der Gentechnik werden gezielt einzelne Gene (und somit einzelne Proteine) übertragen. Die Struktur und Eigenschaft des Proteins werden dabei nicht verändert.

Die Züchtung neuer Pflanzensorten zur Lebensmittelproduktion wird von einer umfangreichen Sicherheitsforschung begleitet. Das allergene Potenzial wird hierbei besonders erforscht. In den 90er Jahren sind international anerkannte Richtlinien zur Ermittlung des allergenen Potenzials erarbeitet worden.
Von besonderer Wichtigkeit ist dabei die Herkunft des Gens. Sowohl der Herkunfts- wie auch der Empfängerorganismus werden also auf Allergene untersucht.

Bei keiner der bisher durch gentechnische Methoden entwickelten Nutzpflanzen wurden Proteine entdeckt, die mit typischen Allergenen übereinstimmen.

"Novel Food" (neue Nahrungsmittel) sind jedoch nicht nur GVO-Produkte, sondern generell alle Lebensmittel, die bis anhin nicht auf unserem Speiseplan zu finden waren. Dazu gehören exotische Speisen. Alle Lebensmittel, die neue Proteine enthalten, mit denen der Konsument vorher noch nicht in Verbindung war, bergen ein gewisses Allergierisiko. Würde man beispielsweise die neuseeländische Kiwi erst heute in Europa einführen, müsste auch sie gemäss der Novel Food-Zulassung zuerst auf ihr allergenes Potenzial geprüft werden.
Hinzu kommt, dass wir beim Urlaub in fernen Ländern beim Genuss lokaler Speisen oftmals unbewusst hunderttausende fremder Proteine zu uns nehmen.

Beispiel transgene Sojabohne
1996 wurde die Roundup-Ready-Soybean zugelassen. Sie enthält ein Gen für ein bakterielles Enzym, das sie gegen das Herbizid Roundup resistent macht. Dieses Enzym hat nur einen Anteil von ca. 0,08% an dem Proteingewicht der Pflanze (noch weniger in der Bohne), es wird im Magen auch sehr schnell abgebaut (Halbwertzeit: 15 sek.). Die Agrobakterien, aus denen es stammt, werden von uns (in geringen Mengen) alltäglich beim Genuss von Ackerfrüchten eingenommen, sie sind nicht als Allergenquelle bekannt.
Bei den Tests der Sojabohne zeigt sich, dass kein zusätzliches Allergierisiko entstanden ist, es gibt auch keine Hinweise auf eventuelle "neue Allergien". Sojaallergiker reagieren auf diese Bohne genauso allergisch wie auf konventionell gezüchtete Soja-Sorten.

Gentechnische Methoden und Allergie
Im Prinzip sind die gentechnischen Methoden bezüglich Allergenizität neutral. Wenn ein Protein beim Verzehr keine Allergie auslöst und seine Struktur nicht verändert wird, so löst dieses Protein auch dann keine Allergie aus, wenn es sich in einem anderen Lebensmittel befindet.

Vor einigen Jahren hat man eine Sojabohne mit einem Gen aus der Paranuss entwickelt (Ziel war die Erhöhung des Gehaltes an schwefelhaltigen Aminosäuren). Paranüsse sind jedoch eine bekannte Allergenquelle. Bei Tests stellte man fest, dass das eingefügte Protein das (bis dahin unbekannte) Hauptallergen der Paranuss war. Die Entwicklung der Soja-Sorte wurde daraufhin eingestellt. Leider wird heute dieses Beispiel noch oft missbraucht, um Gentechnologie bei Lebensmitteln mit erhöhtem Allergierisiko zu verbinden.

Man kann dank Gentechnologie aber auch versuchen, ein Allergen aus einem Nahrungsmittel zu entfernen. In Japan hat man es zum Beispiel geschafft, die Bildung eines der wichtigsten Allergene beim Reis um 99% zu reduzieren.

Diagnose / Therapie von Allergien

Diagnose von Lebensmittelallergien können durch Haut-Provokationstests erfolgen. Sie sind aber oftmals eingeschränkt. Serologische Analysen, welche die Bindung zwischen körpereigenen IgE und verschiedenen Allergenen untersuchen, werden ebenfalls verwendet.
Die beste Therapie ist es immer noch, dem Allergen soweit als möglich aus dem Weg zu gehen. In gewissen Fällen ist eine Desensibilisierung angemessen, das Problem besteht hier allerdings in der Schwierigkeit, das Allergen genau zu identifizieren.
Gentechnische Verfahren werden in Zukunft einen wichtigen Beitrag leisten sowohl bei der Diagnose als auch bei der Behandlung von Allergien.

Weitere Informationen:
www.allergie-info.de/adress.htm
www.foodallergy.org
www.foodhelp.org

Forschungsinstitut in Nairobi
Rolle der Biotechnologie


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