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In Europa und in den USA produziert die Landwirtschaft Überschüsse. Erste transgene Pflanzen sind auf dem Markt. Dank diesen können einige problematische Agrochemikalien eingespart werden, was der Umwelt zugute kommt. Die Opposition gegen Gentechnik in der Landwirtschaft ist in Europa stark und hat sich im vergangenen Jahr auch in den USA bemerkbar gemacht. Neben den Industriestaaten gibt es aber weitere Mitspieler, die künftig im Geschäft mit der Gentechnik ein Wort mitzureden haben. Die Länder der 3. Welt haben ein drängendes Bedürfnis nach gentechnisch verbesserten Pflanzen, um die Produktivität ihrer Nutzpflanzen zu steigern. Wegen Mangel an Resourcen haben sie aber in der Vergangenheit kaum eigene Sorten entwickeln können. Sie sind auf die Hilfe ausländischer Regierungen, Biotech-Firmen und u.a. der Rockefeller-Stiftung angewiesen. In den Industrieländern ist die Hauptanstrengung zuerst in die Entwicklung von transgenen Pflanzen für den eigenen Anbau gelegt worden. Die ersten Produkte wurden für den riesigen amerikanischen Markt entwickelt (Soja, Mais) und nicht für Kleinbauern, die sich nicht einmal Errungenschaften wie Hybridsaatgut oder Kunstdünger leisten können. Daneben hat aber die Rockefeller-Stiftung weltweit die biotechnologische Erforschung von Reis kräftig unterstützt. Die ETH Zürich hat beispielsweise zusammen mit dem Reisinstitut auf den Philippinen einen Provitamin A-reichen Reis entwickelt. Doch es gibt auch die do-it-yourself-Methode. Kuba hat kürzlich an einem internationalen Symposium in Kuba seine Entwicklungen vorgestellt. Auf dem Höhepunkt seiner wirtschaftlichen Krise 1990-96 investierte es fast 1 Mia. $ in medizinische und agronomische Biotechnologie. Heute produziert Kuba eigene Impfstoffe und beliefert damit kostengünstig viele Staaten Lateinamerikas. Sein Hepatitis B Impfstoff kostet 1/3 des internationalen Preises für ein ebenbürtiges Produkt. Biotech-Produkte aus Gewebekultur werden in der lokalen Landwirtschaft verwendet. Erste transgene Pflanzen sind marktreif. Kubanische Produkte sind auf dem Weltmarkt absolut konkurrenzstark. Sie sind so günstig, dass sie in der Dritten Welt bezahlt werden können. Dies, da die Lohnkosten einen Bruchteil der Gehälter von Wissenschaftlern in Industriestaaten betragen. Könnte sich da das Blatt plötzlich wenden und die Forschung in die Dritte Welt abwandern ? Momentan schützen Patente die Entwicklungen der Forscher in Industriestaaten. Doch sobald die Genomkartierungsprojekte beendet und die Genkarten frei zugänglich sind, wird es wohl schwierig sein, geistiges Eigentum durch Patente zu schützen. Alle werden dieselben Chancen haben. Pflanzen-Biotechnologie braucht heute relativ wenig Kapital. Ein Gewebekultur-Labor genügt weitgehend. Arme Länder sind von dieser Forschung nicht mehr ausgeschlossen. Was nun, wenn sogar Kuba als starker Biotech-Partner auftritt, das unter einem Embargo leidet und wenig Wissenschaftler in Spitzeninstituten ausbilden lassen kann - wie wird es in Staaten wie China oder Indien aussehen, die Scharen von Spitzenleuten in den besten Laboratorien der Welt ausbilden lassen und mit diesen später eigene Weiterentwicklungen planen ? Die Motivation, die Pflanzen-Biotechnologie voranzubringen, ist in den Industriestaaten, v.a. in Europa in den letzten Jahren durch die wachsende Opposition gedämpft worden. Einige Geldgeber haben sich bereits zurückgezogen. Möglich ist, dass Forschung, Industrie wie auch Anwendung der Pflanzen-Gentechnik in die 3. Welt abwandern, wo die Motivation sehr stark ist, da dort das Welthungerproblem angegangen werden muss. Die übernächste Innovationswelle von transgenen Pflanzen könnte aus Ländern kommen, in denen Biotechnologie eine Notwendigkeit zum Überleben ist und kein Luxus wie in Europa und USA, wo die Landwirtschaft Überschüsse produziert. Drittweltstaaten fragen die NGOs der Industriestaaten nicht um Erlaubnis, ob und wie sie transgene Pflanzen entwickeln dürfen. Sie tun es.
Quelle:
International Herald Tribune,
EDITORIALS/OPINION, Feb 8, 2000 |
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